Auch der Metropolit von Simferopol ist gekommen. Der im schwarzen Talar gekleidete Kliment schreitet auf das Eisentor zu, stellt sich vor die ukrainischen Rekruten, begrüßt sie und sagt mit der ruhigen, herzlichen Stimme eines Mannes mit Gottvertrauen: "Alles wird gut. Gott ist mit euch."

Ob wirklich alles gut wird, ist an diesem Sonntag nicht so sicher. Russische Soldaten belagern seit dem Morgen die ukrainische Militärbasis in Perewalne (in der russischen Bezeichnung Priwolnoje). Mehr dazu hier im Live-Blog.

Perewalne ist 25 Kilometer von Simferopol entfernt, südöstliche Richtung. Die Basis liegt in einem Kessel, eingerahmt von nackten Bergrücken. Die Soldaten kamen frühmorgens um 5.10 Uhr in zwei Dutzend Militärlastwagen. Es sind etwa 1.000 Mann, ihre Uniformen haben keine Erkennungszeichen, sind laut Beobachtern aber die der russischen Armee. Die Lastwagen zumindest haben russische Nummernschilder.

Sie wollen die Soldaten der 36. Brigade im Inneren zum Aufgeben zwingen. Die ukrainische Armee soll die Waffen abgeben, ihre Schützenpanzer und sonstiges militärisches Gerät stehen lassen und verschwinden. So lautet die Forderung.

"Wir brauchen keine Befreier"

Doch der Kommandant lehnt das ab. "Wir haben nicht vor, die Basis aufzugeben. Wir sind zu ihrer Verteidigung bereit", sagt sein Stellvertreter Valeri Bojko, der für ein paar Minuten nach draußen gekommen ist. Er könne doch nicht einfach ukrainische Waffen irgendwelchen Bewaffneten überlassen, die sich hier doch gar nicht befinden dürften. Nein, das sei nicht möglich.

Unter seinen Männern sind auch ethnische Russen. Auch sie wollen sich nicht ergeben. Wir brauchen keine Befreier, sollen sie gesagt haben.

In Verhandlungen hat man sich geeinigt, vorerst nicht zu schießen. Aber was soll weiter passieren? "Wir müssen einen Kompromiss finden", sagt Bojko. Wie der aussieht, weiß derzeit niemand.

In Perewalne ist von der viel beschworenen Solidarität der "Brüdervölker" nichts mehr zu spüren. Hier stehen sich ukrainische und russische Soldaten gegenüber, das Gewehr im Anschlag. Die Stimmung ist gespannt. Wenn hier ein Schuss fällt, wird es nicht bei einem bleiben. Ein Krieg auf der Krim scheint gefährlich nah.

Vor den Toren der Militärbasis haben sich Unterstützer der Ukrainer eingefunden. Ein Mann liest tonlos aus der Bibel, ohne Pause, Frauen singen Kirchenlieder. Eine ältere Frau mit buntem Kopftuch steht seit Mittag vor dem Tor. "Wir stehen hier und beten", sagt sie mit Tränen in den Augen. "Wir verteidigen unsere Jungs." Auch Anton, der im nahen Garnisons-Städtchen wohnt, ist gekommen. Der Journalistikstudent fotografiert, redet mit den Umstehenden. Er ist pessimistisch: "Mir scheint, dass die Ukraine die Krim verloren hat."