Beim schwersten Gewaltausbruch in der Ukraine seit dem Umsturz ist in Donezk ein Mann getötet worden. Der 22-Jährige, der laut Aktivisten dem proeuropäischen Lager angehörte, sei erstochen worden, berichteten Rettungskräfte. Insgesamt seien am Donnerstagabend mehrere Hundert Demonstranten aufeinander losgegangen, mindestens 16 Menschen wurden dabei verletzt.

Die ukrainische Regierung hatte Russland indes vorgeworfen, ein Aufklärungsflugzeug über der Krim beschossen zu haben. Das Feuer sei von einem Panzerwagen aus eröffnet worden, hieß es in einer Erklärung. Der Vorfall habe sich in der Nähe der Meeresenge ereignet, die das ukrainische Festland von der Halbinsel trennt. Es sei der zweite derartige Beschuss innerhalb von fünf Tagen gewesen. Ob es Schäden an der Maschine gab, erklärt die Regierung nicht.

Derweil gehen die Bemühungen um eine diplomatische Lösung des Konflikts weiter. Auf Antrag der Regierung in Kiew schaltete sich der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) ein. Die russische und die ukrainische Regierung sollten beide keine Militäraktionen einleiten, die Verletzungen der Menschenrechte nach sich ziehen könnten, hieß es in einem Dringlichkeitsbeschluss des EGMR. Derartige Beschlüsse sind bindend.

Russland schaltet kritische Websites ab

Vor dem UN-Sicherheitsrat in New York rief der ukrainische Regierungschef Arseni Jazenjuk zu einer diplomatischen Lösung der Krim-Krise auf. "Wir glauben noch immer, dass wir eine Chance haben, diesen Konflikt auf eine friedliche Weise zu lösen", sagte er bei einer Dringlichkeitssitzung des Gremiums.

Jazenjuk forderte Russland auf, die auf der Halbinsel Krim eingesetzten Soldaten zurück in die Kasernen zu beordern und "echte" Verhandlungen zu starten. "Wir wollen Gespräche führen. Wir wollen keine Art von militärischer Aggression", sagte der ukrainische Politiker, den das Parlament in Kiew Ende Februar mit der Leitung einer Übergangsregierung betraut hatte. Die neue Führung der Ukraine wird von Russland nicht anerkannt.

Russland hatte zuvor bekannt gegeben, Beobachter der OSZE auf der Krim zulassen zu wollen. Gleichzeitig lies die russische Generalstaatsanwaltschaft die Seiten prominenter Putinkritiker sperren. Dazu zählen zum Beispiel das Blog von Alexej Nawalni und die Internetzeitung von Garri Kasparow.