Die EU will den ersten Teil des Assoziierungsabkommens mit der Ukraine schon kommende Woche unterzeichnen. Das kündigten der polnische Ministerpräsident Donald Tusk und Kanzlerin Angela Merkel (CDU) nach einem Treffen in Warschau an. Der "politische Teil" des Abkommens solle bei der nächsten Sitzung des Europäischen Rats unterschrieben werden.

Die Kanzlerin bekräftigte zugleich die Pläne für härtere Sanktionen gegen Russland. "Wenn es keine Kontaktgruppe gibt, sind Sanktionen unabdingbar." Der Beschluss darüber könnte bei einem Treffen der EU-Außenminister am Montag in Brüssel fallen, einen Tag nach dem umstrittenen Referendum auf der Krim über eine Loslösung von der Ukraine.

Als weitere Sanktionen sind unter anderem eine Beschlagnahmung von Vermögen und Visa-Verweigerungen für eine Gruppe für Personen vorgesehen, die in der Ukraine und Russland für die Eskalation verantwortlich sei, sagte Merkel. "Es laufen jetzt die technischen Arbeiten in der EU, welche Gruppen genau das sein könnten – für wen ein asset freeze gelten könnte." Tusk und Merkel warnten, dass sich die EU auch auf einen langen Streit mit der Regierung in Moskau einstellen müsse.

Die EU hatte ein dreistufiges Sanktionsverfahren angedroht, um Russland zum Einlenken im Ukraine-Konflikt zu bewegen. Die Kanzlerin betonte, dass die zweite Stufe aber nicht an das umstrittene Abspaltungsreferendum auf der Krim geknüpft sei, sondern an Russlands Bereitschaft, eine Kontaktgruppe unter Einbeziehung ukrainischer und internationaler Vertreter zu bilden.

Deutsch-russische Regierungsgespräche unklar

Angesichts der Krim-Krise lässt die Bundesregierung zudem offen, ob die für April geplanten deutsch-russischen Regierungsgespräche stattfinden werden. Die stellvertretende Regierungssprecherin Christiane Wirtz sagte, sie könne "keine weitere Auskunft geben, wie es mit diesem Termin weitergeht". Bislang war geplant, dass Russlands Präsident Wladimir Putin mit einem Teil seines Kabinetts im nächsten Monat nach Berlin kommt.

Frankreichs Staatschef François Hollande warnte Putin vor einer "inakzeptablen Annexion" der Krim. Bei einem Telefongespräch forderte Hollande den russischen Präsidenten nach Angaben des Élysée-Palastes auf, "alles zu tun, um eine Angliederung der Krim an Russland zu vermeiden". Auch die Bundesregierung hatte vor einer Annexion gewarnt. Dem schlossen sich die G-7-Staaten und die Europäische Union an

Auf der Halbinsel Krim findet am Sonntag ein Volksentscheid zum künftigen Status der autonomen ukrainischen Region statt. Das prorussische Krim-Parlament in Simferopol verabschiedete bereits am Dienstag fast geschlossen eine Unabhängigkeitserklärung der Krim.

Jazenjuk in Washington

In Washington wird der ukrainische Ministerpräsident Arseni Jazenjuk heute zu einem Treffen mit US-Präsident Barack Obama erwartet. Gleichzeitig beriet der US-Kongress einige der härtesten Sanktionen gegen Russland seit dem Ende des Kalten Krieges. Der Entwurf, der der Nachrichtenagentur AP vorlag, erlaubt es der Regierung, Wirtschaftssanktionen gegen Russen zu verhängen, die in die militärische Besetzung der Krim oder in Korruption in der Ukraine verwickelt sind. Gleichzeitig wird das Weiße Haus autorisiert, die versprochene eine Milliarde Dollar an Kreditgarantien für die Ukraine bereitzustellen.

Trotz der sich verschärfenden diplomatischen Lage kommt US-Außenminister John Kerry am Freitag erneut mit seinem russischen Kollegen Sergej Lawrow zusammen. Bei dem Gespräch in London werde er Lawrow "einige Alternativen" anbieten, sagte Kerry. Bisher endeten die Treffen und Telefongespräche der beiden Außenminister zur Lage in der Ukraine ohne konkrete Ergebnisse.

Um die Lage auf der Krim selbst besser zu beobachten, entsandte die Nato zwei Überwachungsflugzeuge. Eines von ihnen soll von polnischem Luftraum aus die russischen Truppenbewegungen zu Wasser und in der Luft kontrollieren. Das zweite soll über Rumänien patrouillieren, teilte das Militärbündnis mit. Ein US-Zerstörer hielt zudem mit einem bulgarischen und drei rumänischen Schiffen im Schwarzen Meer eine Militärübung ab. Das bulgarische Verteidigungsministerium teilte mit, die Manöver seien bereits 2013 geplant worden und hätten nichts mit der derzeitigen Krise auf der Krim zu tun.