Die Weltbank hat der Ukraine in diesem Jahr bis zu drei Milliarden Dollar (rund 2,2 Milliarden Euro) an Hilfsgeldern in Aussicht gestellt. "Wir sind verpflichtet, den Menschen der Ukraine in diesen schwierigen Zeiten zu helfen und hoffen sehr, dass sich die Lage in dem Land bald stabilisiert", teilte Weltbank-Chef Jim Yong Kim mit.

Die Regierung solle unterstützt werden, um drängende Reformen umzusetzen und die Wirtschaft auf einen "Weg in die Nachhaltigkeit" zu leiten. Der Vorstand müsse das Geld aber erst noch freigegeben, hieß es aus Kreisen der Weltbank. Die ukrainische Übergangsregierung hat den Angaben zufolge ein offizielles Hilfsgesuch bei der Weltbank gestellt. Auch beim Internationalen Währungsfonds (IWF) bemüht sich Kiew derzeit um Finanzhilfen.   

Zur Überwachung der Krise in der Ukraine hat die Nato unterdessen Awacs-Aufklärungsflugzeuge nach Polen und Rumänien entsendet. Dieser Schritt sei Teil der Nato-Bemühungen, "die Krise in der Ukraine zu beobachten", teilte ein Vertreter der Allianz mit. Die Aufklärungsflugzeuge starten demnach vom deutschen Geilenkirchen und vom britischen Waddington.

"Alle Awacs-Aufklärungsflüge werden allein über dem Gebiet der Allianz stattfinden", sagte der Nato-Vertreter. "Die Entscheidung ist eine angemessene und verantwortliche Handlung nach der Entscheidung der Nato, unsere laufende Bewertung der Folgen der Krise für die Sicherheit der Allianz zu intensivieren."

Die beiden Nato-Mitglieder Polen und Rumänien grenzen an die Ukraine. Besonders Polen hatte sich zuletzt besorgt über seine Sicherheit geäußert, nachdem sich Russland militärisch in den Konflikt in der Ukraine eingemischt und seine Truppenpräsenz auf der ukrainischen Halbinsel Krimtrotz heftiger internationaler Kritik verstärkt hatte.

Auch am heutigen Montag nahmen Bewaffnete nach ukrainischen Medienberichten einen Militärstützpunkt in Bachtschissaraj ein. Außerdem brachten die prorussischen Kräfte das Militärkrankenhaus in Simferopol unter ihre Kontrolle. Der ukrainische Regierungschef Arseni Jazenjuk kritisierte die Machthaber auf der Halbinsel erneut scharf. "Das ist eine Gruppe von Kriminellen, die auf verfassungswidrige Weise und unter dem Schutz von 18.000 russischen Soldaten die Macht an sich gerissen hat", sagte Jazenjuk.

1.500 Bewaffnete zum Schutz der Wahllokale

Am kommenden Sonntag sollen die Wahllokale auf der Krim von 1.500 Bewaffneten beschützt werden. Die sogenannten Selbstverteidigungskräfte sowie Soldaten der kürzlich aufgestellten eigenen Armee sollen bei dem Referendum für Sicherheit sorgen, sagte der selbsternannte Regierungschef der Krim, Sergej Aksjonow, russischen Agenturen zufolge. Die Befehlsgewalt über die Soldaten hat der moskautreue Aksjonow vom Parlament erhalten.

In dem Referendum sollen die Bewohner der autonomen Republik über einen Beitritt zu Russland abstimmen. Da die Mehrheit der Bevölkerung russisch ist, gilt eine Zustimmung als sehr wahrscheinlich. Da der Termin für das Referendum in der vergangenen Woche kurzfristig anberaumt worden war, laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren: Wahlleiter Michail Malyschew kündigte an, die Wahlbüros würden alle Unterlagen drei Tage vor dem Termin erhalten. Alles verlaufe transparent, sagte er. Auch werde ein Teil der Kosten von etwa 1,5 Millionen Euro mit "Spenden aus Russland" gedeckt.

Die selbsternannte Führung der Krim rechnet bei dem Referendum mit einer großen Mehrheit für einen Anschluss an Russland. Der moskautreue Parlamentschef Wladimir Konstantinow sagte: "Mehr als 80 Prozent der Einwohner der Krim sind für den Beitritt zu Russland." Zudem erwarte er eine hohe Wahlbeteiligung. Das habe eine Umfrage ergeben, sagte Konstantinow laut russischen Agenturen.

Nach einem Beitritt zu Russland sollen auf der Halbinsel die bisherige ukrainische Währung Griwna und der russische Rubel zunächst gleichberechtigt genutzt werden dürfen. Diese Regelung solle bis zu einem halben Jahr gelten, sagte Konstantinow. Aksjonow kündigte an, alle Bürger dürften im Falle einer Vereinigung mit Russland frei über ihre Staatsbürgerschaft entscheiden. "Niemand wird gezwungen, seinen ukrainischen Pass abzugeben", sagte Aksjonow. Als Amtssprachen seien aber nur noch Russisch und Krimtatarisch  geplant.

OSZE-Beobachter sind eingeladen

Aksjonow sagte, er hoffe bei dem Referendum auch auf Wahlbeobachter der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE). Die Schweiz als OSZE-Vorsitzender habe eine Einladung erhalten, hieß es aus der Krim-Hauptstadt Simferopol. In den vergangenen Tagen waren unbewaffnete OSZE-Militärbeobachter an den Übergängen zur Krim von prorussischen Bewaffneten mit Warnschüssen vertrieben worden. Für das Referendum wollen bislang nur Russland sowie die autoritäre frühere Sowjetrepublik Weißrussland Wahlbeobachter auf die Krim entsenden.

Die EU und die USA lehnen die Volksbefragung als illegal ab. Der Europarat prüft, ob das geplante Referendum überhaupt rechtmäßig ist. Auch droht die EU mit einer Ausweitung der Sanktionen: Am kommenden Montag könnten die EU-Außenminister in Brüssel weitere Strafmaßnahmen gegen Russland beschließen, kündigten Diplomaten in Brüssel an. Die EU hatte in der vorigen Woche einen Dreistufenplan beschlossen, falls sich Russland von der Krim nicht zurückzieht. Als erster Schritt wurden die Verhandlungen mit Moskau über Visa-Erleichterungen für Russen ausgesetzt. Auch über ein neues Partnerschaftsabkommen mit Russland wird vorerst nicht weiter verhandelt. Die politischen Gespräche über eine neue Gasleitung zwischen Russland und Südosteuropa wurden von der EU-Kommission auf Eis gelegt.

Kerry will sich vorerst nicht mit Lawrow treffen

Der britische Premierminister David Cameron kündigte Sanktionen für mächtige Russen mit engen Beziehungen zur Regierung in Moskau an. Mehrere Vertreter der EU wollten am Dienstag eine Liste von 18 Personen zusammenstellen, denen Strafmaßnahmen drohten, sollte Russland seine Politik auf der Krim nicht ändern, kündigte Cameron an. Dazu sollten etwa Reiseverbote und das Einfrieren von Konten gehören. Er nannte zunächst keine näheren Details, um wen es sich handeln könnte.

Cameron sagte, es sei wichtig, Moskau zu zeigen, dass es nicht einfach "über die Ukraine hinwegtrampeln" könne und dass das geplante Referendum illegal sei. Die Ukraine müsse weiterhin eine Brücke zwischen Russland und Europa bleiben.

Auch die Bundesregierung zeigte sich unzufrieden mit der Rolle Russlands. Regierungssprecher Steffen Seibert sagte zu den bislang gescheiterten Vermittlungsbemühungen: "Die Zeit für einen solchen Versuch des Gesprächs und der Verständigung drängt." Die russische Seite habe noch immer nicht die "nötige Bereitschaft" gezeigt. 

US-Außenminister John Kerry lehnte eine Einladung zu einem Treffen mit seinem russischen Kollegen Sergej Lawrow in dieser Woche in Moskau ab. Er werde sich nur dann persönlich auf diese Weise engagieren, wenn Russland ernsthaft zu Gesprächen über internationale Vorschläge zur Lösung der Krim-Krise bereit sei, sagte US-Außenamtssprecherin Jen Psaki. Kerry habe Lawrow am Samstag klar gesagt, dass Moskau seine Intervention auf der Krim beenden solle. Russland müsse beweisen, dass es bereit sei, über Vorschläge für einen direkten Dialog zwischen Russland und der Ukraine einzugehen und internationale Mechanismen wie eine Kontaktgruppe zu nutzen.