Die staatliche Aeroflot führt die Strecke Moskau-Simferopol im Buchungssystem bereits als Inlandsflug. Wer jetzt für die langen und landesweiten Maifeiertage bucht, bekommt sogar noch Tickets in der günstigsten Preisklasse. Auf der Krim, das fürchten viele, bleiben die Besucher weg. Das ist ein Problem, denn die Halbinsel war bislang nicht nur ein beliebtes Reiseziel, der Tourismus war die wichtigste Einnahmequelle in der sonst wirtschaftlich schwachen Region. Jedes Jahr reisten sechs Millionen Urlauber auf die Krim. Gäste aus Russland machten jedoch nur ein Viertel davon aus, fast 70 Prozent waren Ukrainer.

Schon vor dem umstrittenen Referendum berichteten Medien, Besucher aus der Ukraine werden nicht mehr kommen, falls Russland die Halbinsel annektiert. Auch auf russischer Seite sah es kaum besser aus. Die Nachfrage sei wegen der Krise eingebrochen, heißt es vom Verband der Russischen Tourismusindustrie.

Jetzt arbeitet Moskau an einem Entwicklungsplan für die Krim, auch für die Tourismusbranche. Die russische Regierung empfiehlt Unternehmen, ihren Mitarbeitern Urlaub auf der Halbinsel schmackhaft zu machen. Die staatliche Tourismusagentur will für Direktflüge aus den russischen Regionen und subventionierten Flugtickets sorgen, damit mehr Russen in die – aus Moskauer Sicht – zurückgewonnene Heimat reisen.

"Niemand darf etwas verlieren"

Russland will den Tourismus fördern, um das Rückgrat der Wirtschaft auf der Halbinsel zu stabilisieren. Denn in Moskau weiß man längst: Die Übernahme der Krim wird teuer. Sehr teuer.

Seit dem Zerfall der Sowjetunion und der Unabhängigkeit der Ukraine bezog die autonome Republik Subventionen aus Kiew. Gut zwei Drittel des Budgets der Halbinsel kamen aus der Hauptstadt. Diese Kosten wird statt Kiew nun Moskau zahlen müssen. Russlands Finanzminister Anton Siluanow bezifferte das Haushaltsdefizit der Krim jüngst auf etwa eine Milliarde Euro. Ein Teil davon, so der Minister, könne aus der Rubelreserve seines Landes fließen, aber auch Steuereinnahmen sollen einen Teil beitragen.

Schon vor dem Referendum hatte der russische Wirtschaftsminister Alexej Uljukajew versprochen, den Haushalt der Krim mit monatlich 80 bis 90 Millionen US-Dollar zu stützen, um den Wegfall von Subventionen der ukrainischen Zentralregierung zu kompensieren. Mittlerweile rechnet der Minister mit gut 100 Milliarden Rubel, umgerechnet etwa zwei Milliarden Euro, die Moskau ab 2015 jährlich zahlen muss. Kosten für Infrastruktur sind darin noch nicht enthalten.

Die "vollständige Integration" der Krim in die Russische Föderation sei wichtig, betonte Premierminister Dmitrij Medwedjew und meinte damit auch die Anpassung des Lebensstandards in der Region. "Niemand darf etwas verlieren."