Die Versuche, beim Außenministertreffen in Paris eine Kontaktgruppe für die Ukraine zu bilden, sind vorerst gescheitert. "Wir sind noch nicht so weit, uns auf ein gemeinsames Format für Gespräche über mittel- und langfristige Lösungen zu verständigen", sagte der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier nach einem Treffen mit westlichen und dem russischen Kollegen. Einer solchen Kontaktgruppe solle aber sobald wie möglich eine Chance gegeben werden. Über die Bedingungen dafür solle in den kommenden Tagen verhandelt werden.

Er sei nicht zufrieden mit dem Gesamtergebnis, sagte Steinmeier. "Es bleiben schwierige Tage, die vor uns liegen." Es gebe aber ein übereinstimmendes Interesse, die Situation in der Ukraine nicht weiter eskalieren zu lassen. Es komme jetzt darauf an, Schritte zu einer Normalisierung der Verhältnisse in der Ukraine zu unternehmen. Russland müsse "glaubhaft unter Beweis stellen, dass es an einer Normalisierung der Situation interessiert ist".

Steinmeier war in Paris mit den Außenministern John Kerry (USA), Laurent Fabius (Frankreich), William Hague (Großbritannien) und dem russischen Kollegen Sergej Lawrow zusammengetroffen. Lawrow hatte die Europäische Union sowie die USA dafür kritisiert, dass sie Druck auf Russlands ausüben würden. "Die Schritte, die unsere Partner über die OSZE, den Nato-Russland-Rat oder andere Organisationen unternehmen, helfen nicht beim Aufbau einer Atmosphäre des Dialogs", sagte Lawrow dem Fernsehsender Rossija-24.

US-Außenminister John Kerry ist überzeugt, die Ukraine auf friedlichem Weg aus ihrer Krise führen zu können. "Wir haben eine Reihe von Ideen auf dem Tisch", sagte Kerry. Er selbst habe konkrete Vorschläge, über die er mit US-Präsident Barack Obama beraten wolle. "Ich glaube, Lawrow ist in derselben Position mit Präsident Putin."

Nato will Zusammenarbeit mit Russland überprüfen

Unterdessen hat Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen angekündigt, dass er die gesamte Zusammenarbeit der Nato mit Russland überprüfen werde. Demnach würden die meisten geplanten Treffen mit Vertretern Moskaus zunächst ausgesetzt. Auch eine geplante gemeinsame Mission sei beendet, dabei sollten syrische Chemiewaffen auf dem US-Schiff MV Cape Ray zerstört werden.

Zuvor hatten die USA und die EU sich vergeblich um direkte Gespräche zwischen der Ukraine und Russland bemüht. Die Außenminister mehrerer EU-Länder sowie der USA versuchten seit dem Nachmittag, auf diplomatischem Wege zwischen beiden Ländern zu vermitteln. Eine Runde mit Kerry, Hague und ihrem ukrainischen Kollegen Andrej Deschtschiza habe beraten, wie die ukrainische territoriale Integrität gesichert werden könne. An diesem Gespräch wollte Russland nicht teilnehmen.

Sanktionen gegen Russland stehen zur Debatte

Auch zu einem Treffen der Unterzeichnerstaaten des Budapester Memorandums war Russland am Vormittag nicht erschienen. In dem Memorandum von 1994 verpflichten sich Russland, die USA und Großbritannien zu Sicherheitsgarantien für die Ukraine. Hague sagte, es würden weiter "alle diplomatischen Anstrengungen unternommen, Russland und die Ukraine zu einem direkten Kontakt auf ministerieller Ebene zu bringen".

Steinmeier hatte zuvor gesagt, Deutschland werde von Sanktionen gegen Russland absehen, wenn noch am Mittwoch eine Kontaktgruppe gebildet würde. Da sie nicht zustande kam, wird das Thema Sanktionen nun auf der Tagesordnung des EU-Sondergipfels am Donnerstag stehen.