Das Parlament der ukrainischen Halbinsel Krim hat nach russischen Angaben für einen Anschluss an Russland gestimmt. 78 der 81 Abgeordneten der Autonomen Republik unterstützten in Simferopol eine entsprechende Beschlussvorlage, meldete Itar-Tass unter Berufung auf den Vizepremier der Krim, Rostam Temirgaljew.

Das Parlament hat 100 Sitze. Russlandtreue Kräfte hatten das Gebäude vor wenigen Tagen gestürmt. Inwieweit dies die Zusammensetzung des Parlaments veränderte, ist unklar. 

Am 16. März soll die Bevölkerung darüber abstimmen, ob die Krim im Staatsverband der Ukraine bleibt oder sich künftig Russland anschließt. Das Parlament verlegte den ursprünglich geplanten Termin für das Referendum um zwei Wochen vor. In dem Referendum sollen sich die Teilnehmer entscheiden, ob sich die Krim Russland angliedern soll oder ob die Verfassung der Krim von 1992 wieder gültig sein soll – demnach bliebe die Krim als autonome Region Teil der Ukraine. Auch die Bürger von Sewastopol sollen abstimmen – die Stadt hat innerhalb der Krim einen Sonderstatus. Die Krim ist mehrheitlich von Russen bewohnt. Ukrainer und Krim-Tataren machen ein reichliches Drittel der Bevölkerung aus.

In dem Parlamentsbeschluss wird Kremlchef Wladimir Putin gebeten, eine Aufnahme der Krim zu prüfen. Der russische Präsident sei bereits über das Votum informiert, sagte in Moskau sein Sprecher. Putin habe die Frage bereits in seinem Sicherheitsrat erörtert. Putin hatte vor wenigen Tagen gesagt, dass Russland zwar keinen Anschluss der Krim plane, aber das Volk der Halbinsel darüber frei entscheiden könne.

Russische Politiker reagierten begeistert: "Das ist eine historische Entscheidung", sagte Sergej Newerow von der Kremlpartei Geeintes Russland. Sein Kollege Sergej Schelesnjak sprach von einer "richtigen Antwort" an die neue prowestliche Regierung in Kiew. Kommende Woche werde sich das russische Parlament, die Duma, mit dem ukrainischen Anliegen befassen, sagte der Chef der sozialdemokratischen Partei Gerechtes Russland, Sergej Mironow. 

Auf der Krim nahmen die Menschen vor dem Parlament die Entscheidung mit Jubel auf. "Russland! Russland!"-Rufe waren zu hören. Auf der Halbinsel leben mehrheitlich Russen.

Die Entscheidungen dürften den Gipfel von Brüssel beeinflussen, wo am frühen Nachmittag die EU-Staats- und Regierungschefs tagen. Bisherige Themen sind mögliche Sanktionen gegen Russland, das die Krim vor wenigen Tagen militärisch unter seine Kontrolle gebracht hatte. Hintergrund war der Umsturz in der Ukraine

Im Gespräch sind in Brüssel nach Angaben von Diplomaten bisher weiche Sanktionen, wie etwa das Aussetzen der Verhandlungen über ein Visaabkommen zwischen der EU und Russland. Weiterhin geht es um die von der Ukraine angestrebte Nato-Mitgliedschaft, das von der abgesetzten Staatsführung gestoppte Assoziierungsabkommen mit der EU und um Finanzhilfe für das überschuldete Land. Vertreter mehrerer westlicher Staaten hatten sich dafür ausgesprochen, über Sanktionen zu beraten. Auch Bundeskanzlerin Merkel sagte, der Gipfel werde sich "mit Sanktionen beschäftigen, in unterschiedlicher Art und Weise".  

Nach monatelangem Protest von Regierungsgegnern hatte das Parlament in Kiew Staatspräsident Janukowitsch abgesetzt, das Kabinett neu gebildet und eine Neuwahl beschlossen. Daraufhin rückte russisches Militär auf die Krim vor.

Der Westen hatte Russland aufgefordert, seine Truppen abzuziehen. Die diplomatischen Verhandlungen am Mittwoch brachten jedoch kaum Fortschritte. Die EU beschloss mittlerweile Sanktionen gegen Janukowitsch, seine Familie und weitere ehemalige Mitglieder der ukrainischen Staatsführung.