Die Beobachter der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) sind erneut von Bewaffneten daran gehindert worden, auf die ukrainische Halbinsel Krim zu gelangen. Der Konvoi mit den 47 Militärexperten wurde am Nachmittag bei Tschongar von etwa zehn nicht identifizierten Bewaffneten an einem Kontrollposten am Zugang zur Krim gestoppt, wie AFP-Reporter berichteten. Die Beobachter kehrten schließlich Richtung der ukrainischen Stadt Cherson um.

Schon am Donnerstag waren Beobachter durch Bewaffnete daran gehindert worden, in das Gebiet zu kommen. Die Beobachter sollen Angaben überprüfen, wonach Russland in großem Umfang Truppen auf die Krim geschickt hat. Moskau bestreitet das, die Ukrainer sprechen von etwa 20.000 russischen Soldaten. Internationalen Vereinbarungen zufolge sind bis zu 15.000 Mann zulässig, unter anderem zum Betrieb der russischen Schwarzmeerflotte, die auf der Krim ihre Basis hat. 

An der Spitze des OSZE-Konvois fuhr ein ukrainisches Polizeifahrzeug, gefolgt von zwei Bussen, in denen die Militärbeobachter saßen, und rund 50 ukrainischen Zivilfahrzeugen mit ukrainischen Landesfahnen.

Einer der OSZE-Beauftragten sagte, sie hätten versucht, "als Gäste der ukrainischen Regierung mit einem Mandat der OSZE" durchzukommen. Man habe versucht, zu verhandeln. Die Bewaffneten aber standen maskiert und mit Schnellfeuerwaffen an einer Straßensperre mit Betonblöcken.

Die OSZE hatte am Donnerstag bestätigt, dass die Beobachter am Zugang zur Krim gehindert wurden. Laut westlichen Diplomaten wurden sie von zwei Gruppen Bewaffneter gestoppt, die "sehr professionell, sehr gut ausgebildet" gewesen seien. Die unbewaffneten Beobachter kehrten darauf um und verbrachten die Nacht in Cherson.  Unter den Beobachtern aus 21 Ländern sind auch zwei Bundeswehroffiziere.

Gasprom droht mit Lieferstopp

Es gilt unter internationalen Beobachtern als sicher, dass die seit Tagen in der autonomen Region Krim eingerückten ungekennzeichneten Bewaffneten alle zum russischen Militär gehören. Die EU und die USA beschlossen deshalb erste Sanktionen gegen Russland. Die EU unterstützt die Übergangsregierung in der Ukraine und verlangt einen Rückzug der russischen Truppen. Russlands Präsident Wladimir Putin drohte bereits mit Gegenmaßnahmen, sollte die EU  – wie angedroht – ihre Sanktionen verschärfen. Syriens Präsident Baschar al-Assad unterstützte Putin für seine Haltung in dem Konflikt. Das Parlament der mehrheitlich von Russen bewohnten Krim hat bereits den Anschluss an Russland beschlossen. Am 16. März sollen die Bewohner darüber abstimmen.

Der russische Staatskonzern Gasprom drohte der Ukraine mit einem Lieferstopp, weil nach Unternehmensangaben Rechnungen in Höhe von 1,37 Milliarden Euro nicht bezahlt sind. "Entweder begleicht die Ukraine ihre Schulden, oder es besteht das Risiko, dass wir zu einer (kritischen) Lage wie 2009 zurückkehren", sagte Gazprom-Chef Alexej Miller.

Gazprom hatte damals die Lieferungen im Winter eingeschränkt, davon waren mehrere EU-Länder betroffen. Die Ukraine ist das wichtigste Transitland für russisches Gas nach Europa. Über die direkt von Russland nach Westeuropa führende Ostsee-Pipeline Nord Stream strömt das Gas unverändert, wie eine Sprecherin des Betreibers sagte.