Die libysche Regierung hat Militär eingesetzt, um gegen Separatisten und kriminelle Banden vorzugehen, die im Osten des Landes mehrere Verladehäfen besetzt haben. In Al-Sidra stoppten sie einen Tanker, mit dem die Besetzer Öl nach Nordkorea exportieren wollten. Marineeinheiten und andere Sicherheitskräfte hätten das Schiff Morning Glory abgefangen, sagte ein Vertreter des Militärs. Es sei nun nach Westen unterwegs und solle in einen Hafen gebracht werden, der unter Kontrolle des libyschen Staates steht.

Die Regierung in Tripolis hatte Kriegsschiffe und Kampfflugzeuge losgeschickt, um den Tanker am Verlassen des Hafens zu hindern. Dort hatten die Separatisten das Schiff, das unter nordkoreanischer Flagge fährt, mit Rohöl beladen – angeblich im Wert von 30 Millionen Dollar. Ölminister Omar al-Schakmak warf ihnen Piraterie und einen Angriff auf die nationale Souveränität vor.

Daraufhin hatte die libysche Regierung am Wochenende bereits mehrere mit Waffen ausgerüstete Schiffe und Boote Richtung Al-Sidra geschickt. Ein Mitglied des Rates der Separatisten sagte lokalen Medien, ein Angriff auf das Schiff würde zu einem Bürgerkrieg führen. Es gebe außer den Nordkoreanern noch andere potenzielle Abnehmer für das Öl, hieß es.

Die Separatisten kontrollieren im Osten des Landes vier Häfen, die für den libyschen Ölexport wichtig sind. Angeführt werden sie von Ibrahim Dschathran, einem Kommandeur im Bürgerkrieg gegen den früheren Machthaber Muammar al-Gaddafi. Die Anführer der Separatistenbewegung gelten vielen Libyern als Verbrecher, die sich durch die Besetzung der staatlichen Ölanlagen bereichern wollen.

UN besorgt über Gewalt in Libyen

Das Parlament in Tripolis hatte am Montag die Bildung von Sondereinheiten aus Soldaten und verbündeten Milizen angeordnet. Sie sollen die besetzten Häfen innerhalb einer Woche befreien, sagte ein Parlamentssprecher. Die Rebellen kündigten Widerstand an. 

Die Vereinten Nationen zeigten sich besorgt über die zunehmenden Kämpfe. Libyen drohe durch Rivalitäten zwischen verschiedenen bewaffneten Gruppen eine noch nie dagewesene Gewalt, sagte der Sondergesandte für Libyen, Tarek Mitri, vor dem UN-Sicherheitsrat.

Als Beispiel für die sich drastisch verschlechternde Sicherheitslage nannte Mitri auch die Erstürmung des Parlaments durch Demonstranten Anfang März und Gefechte im Westen von Tripolis. Nach dem Sturz Gaddafis hat sich in Libyen ein Machtvakuum gebildet. Die Zentralregierung hat über weite Teile des Landes keine Kontrolle. Stattdessen dominieren bewaffnete Milizen, die sich im Kampf gegen Gaddafi gebildet hatten.