Bundeskanzlerin Angela Merkel wird sich heute in Warschau mit dem polnischen Ministerpräsidenten Donald Tusk treffen, um unter anderem über den Konflikt in der Ukraine zu sprechen. Tusk befürchtet, dass eine Eskalation im Nachbarstaat auch Polen in Schwierigkeiten bringen könnte und sich Deutschland zu zaghaft gegenüber Russland verhält.  

Dabei hatte Merkel am Dienstag sehr deutlich Kritik an Russlands Politik auf der ukrainischen Halbinsel Krim geübt. Auf einer Sitzung der Unionsfraktion warf sie Präsident Wladimir Putin vor, die Krim "geraubt" zu haben. Dies dürfe man der russischen Führung nicht durchgehen lassen. Merkel sprach sich für einen besonnenen, aber bestimmten Kurs Europas gegenüber Russland aus. Außer von Sensibilität müsse das Handeln aber auch von "einer gewissen Härte" geleitet sein, was die Verteidigung europäischer Werte anbelange, sagte Merkel.

Deutschland und die Europäische Union verlangen bislang vergeblich von der Regierung in Moskau, sich gemeinsam mit der Ukraine auf eine diplomatische Lösung des Konflikts zu einigen.  

Tusk und Merkel werden zunächst zu einem Vier-Augen-Gespräch zusammenkommen und wollen am Nachmittag über ihre Vereinbarungen berichten. Die Bundeswehr bringt indes am Nachmittag 24 verletzte Ukrainer nach Deutschland. Die Patienten kommen zur Behandlung in Krankenhäuser in Berlin, Ulm und Koblenz.  

US-Abgeordnetenhaus fordert Beobachter auf der Krim

Ebenfalls am heutigen Mittwoch wird sich der ukrainische Ministerpräsident Arseni Jazenjuk mit US-Präsident Barack Obama in Washington treffen. Mit dem Besuch werde die starke Unterstützung der USA für das ukrainische Volk unterstrichen, teilte die US-Regierung mit.

Das US-Repräsentantenhaus hat Russland in einer Resolution die Verletzung der ukrainischen Souveränität vorgeworfen. Die am Dienstag verabschiedete Entschließung, die auch noch den Senat passieren muss, fordert ferner die Entsendung internationaler Beobachter auf die Krim und in andere Teile der Ukraine. Zudem wurde der Weltfußballverband Fifa aufgefordert, seine Entscheidung, die Fußballweltmeisterschaft im Jahr 2018 in Russland auszutragen, zu überdenken.

Das Parlament der Krim in der regionalen Hauptstadt Simferopol hatte zuvor fast geschlossen für eine Unabhängigkeitserklärung von der Ukraine gestimmt. Die Krim steht nach einem russischen Militäreinsatz faktisch bereits unter der Kontrolle Moskaus.