Der russische Präsident Wladimir Putin hat die Gründung einer nationalen Gesellschaft für Kreditkarten angekündigt. "Wir brauchen sie unbedingt, und wir werden das machen", sagte Putin laut der russischen Nachrichtenagentur Interfax. Der Präsident reagiert damit auf die Entscheidung der US-Kreditkartenfirmen Visa und Mastercard, die in der vergangenen Woche kurzzeitig den Zahlungsdienst für Kunden der Rossija-Bank und weiterer russischer Geldinstitute eingestellt hatten. Die USA hatten zuvor in der Krim-Krise Sanktionen gegen die Rossija-Bank verhängt; sie ist die Hausbank enger Verbündeter von Putin. 

Visa und Mastercard sind die beiden weltgrößten Kreditkarten-Anbieter. Sie vergeben Lizenzen an Banken für die Ausgabe ihrer Kreditkarten und für die Abrechnung. Russische Beamte hatten kritisiert, dass das Vertrauen in die beiden Unternehmen erschüttert sei. Russische Banken seien Geiseln internationaler Kooperationen. Putin nannte als Vorbilder für ein eigenes russisches Zahlungssystem die japanische Kreditkartenorganisation JCB und die chinesische Unionpay.  

Westliche Firmen warnte Putin vor einem Verlust von Gewinnen und Marktanteilen, sollten sie den Zahlungsverkehr in seinem Land einschränken. "Es ist wirklich bedauerlich, dass gewisse Unternehmen Restriktionen beschlossen haben", sagte Putin. "Das wird wohl nur dazu führen, dass sie gewisse Segmente des Marktes verlieren – einem sehr profitablen Markt."

Die russische Regierung kündigte zudem an, auf die US-Sanktionen und die damit verbundenen Kapitalabflüsse aus Russland zu reagieren. Die Zentralbankchefin Elvira Nabiullina sagte, erwogen würden etwa ungedeckte Kredite, um rasch für Liquidität zu sorgen. "Sollten außerordentliche Maßnahmen erforderlich sein, würden wir sie unter die Lupe nehmen. Unserer Meinung nach sind solche Spezialmaßnahmen derzeit nicht notwendig", sagte Nabiullina der Agentur Interfax zufolge.

Kapitalflucht von mindestens 70 Milliarden US-Dollar erwartet

Der Vizeminister für Wirtschaftsentwicklung, Andrej Klepatsch, rechnet allein im ersten Quartal 2014 mit einer Kapitalflucht von 70 Milliarden US-Dollar (51 Mrd. Euro). Der international angesehene Ex-Finanzminister Alexej Kudrin rechnet auf Jahressicht sogar mit 160 Milliarden Dollar, die das Land verlassen, die Weltbank nannte ähnliche Summen. Der Rubel sackte zwischenzeitlich auf ein historisches Tief ab. 

Russlands Notenbankchefin sagte: "Die Zentralbank rechnet mit einer Nachfrage nach Krediten auf dem Inlandsmarkt angesichts gesperrter Finanzmärkte im Ausland und ist bereit, Banken mit Standardinstrumenten zu stützen."