Ein großer, sportlicher Geländewagen rollt vorsichtig die steile Einfahrt zur Werkstatt hinunter. Leandre Munyororo schaut zufrieden aus dem Fenster seines Büros. Seine Firma Atecar in der Hauptstadt Kigali zählt er zu den drei größten Kfz-Reparaturbetrieben in Ruanda. Der Hof steht voller Autos, Munyororo hat neue Mitarbeiter eingestellt, die Schichten ausgeweitet, die Lackiererei modernisiert. Auch das Geschäft mit Ersatzteilen aus Europa, die er als Zwischenhändler in Zentralafrika weiterverkauft, läuft ausgezeichnet.

Stolz führt der Chef durch sein wachsendes Unternehmen. In der großen Halle können mehrere Wagen gleichzeitig repariert werden. Eine Mechanikerin schließt gerade einen Computer an einer Limousine an. Eben habe er eine Ölabscheideanlage eingebaut, die verhindert, dass giftige Stoffe ins Grundwasser gelangen. "Vor Kurzem sind solche Anlagen Pflicht geworden, ich hatte sie schon", sagt Munyororo. Die Regierung unter Präsident Paul Kagame achte sehr auf die Umwelt; es dürften keine Autos aus Europa eingeführt werden, die älter als sieben Jahre sind. Auf Ruandas Straßen fahren deswegen keine Rostlauben, nirgendwo stehen Autowracks. Auch Dreck und Müll sind selten geworden, mehr noch seit der Verkauf von leichten Plastiktüten verboten ist. Kigali dürfte die sauberste Hauptstadt Afrikas sein. Für seinen Umweltschutz und seine Wirtschaftspolitik bekommt Ruanda auch international viel Lob.


20 Jahre nach dem Genozid der Hutu an den Tutsi, bei dem rund eine Million Menschen starb, gilt das Land heute in vielen Bereichen als Erfolgsgeschichte. Das Wirtschaftswachstum liegt regelmäßig zwischen sieben und acht Prozent, die Weltbank kürte Ruanda 2013 zum unternehmerfreundlichsten Staat auf dem afrikanischen Festland, nur Mauritius lag noch davor. Auch auf den Listen von Transparency International erreicht das Land verglichen mit anderen afrikanischen Staaten regelmäßig Spitzenplätze, denn die Korruption wird hart bekämpft. Mit Unterstützung aus Deutschland wurde sogar eine staatliche Krankenversicherung eingeführt. Ruanda ist auf einem guten Weg, die meisten der Millenniumsziele der Vereinten Nationen zu erreichen.

Doch es gibt auch die andere Seite: Die Menschenrechtsorganisationen Amnesty International, Human Rights Watch und auch Reporter ohne Grenzen stellen Ruanda schlechte Noten aus. Mancher Kritiker bezeichnet Ruanda rundheraus als Polizeistaat.

Kritiker landen schnell im Gefängnis

Auf den Straßen von Kigali sind tatsächlich stets viele Polizisten unterwegs. Präsident Kagame greift hart gegen alle Gegner durch, er herrscht autoritär. Einst floh er als Kind mit seiner Familie vor der Diskriminierung der Tutsi unter der Hutu-Regierung nach Uganda. Als es 1994 in Ruanda zum Völkermord kam, kehrte Kagame an der Spitze der Ruandischen Patriotischen Front (RPF) zurück in sein Geburtsland. Die Rebellentruppe der Tutsi siegte an der Seite Ugandas im darauffolgenden Krieg. Seitdem regieren wieder Tutsi im Land. Kagame hat aber viele Hutus in sein Kabinett eingebunden – auch auf wichtigen Positionen. Seine Regierung gibt die Parole vor, es gebe keine Hutu und Tutsi, es gebe nur Ruander.

Wer von Verbrechen der Tutsi an Hutu im Bürgerkrieg spricht, kann ins Gefängnis kommen – ebenso, wer den Präsidenten offen kritisiert. Die Opposition wird unterdrückt, kritische Medien werden geschlossen oder ihr Erscheinen vorübergehend verboten. Bei den Wahlen für Parlament und Präsidentenamt gab es immer wieder Unregelmäßigkeiten, es fehlte an Transparenz, viele Kandidaten von Oppositionsparteien wurden gar nicht erst zugelassen. Zudem wurde der Wahlkampf der Opposition durch Behörden und Polizei behindert. Spontane Demonstrationen und Versammlungen sind in Ruanda ohnehin prinzipiell verboten. Kagame erhielt nach offiziellen Angaben im vergangenen Jahr 93 Prozent der Stimmen.

Seit April 2000 regiert er das Land, die aktuelle Amtszeit endet 2017, ein weiteres Mal darf der 56-Jährige nicht antreten. Doch längst geht in Ruanda das Gerücht um, seine Partei könne die Verfassung ändern, um den Präsidenten weitere fünf Jahre an der Macht zu halten. Kagame selbst hat sich dazu bisher nicht geäußert. Doch er soll Sorgen haben, dass ohne ihn, den starken Mann an der Spitze, die Differenzen zwischen Hutu und Tutsi wieder in Gewalt enden könnten.