US-Präsident Barack Obama hat in einem Telefonat mit seinem russischen Kollegen Wladimir Putin die Sanktionen seiner Regierung gegen Moskau gerechtfertigt. "Präsident Obama hat betont, dass Russlands Vorgehen die Souveränität und die territoriale Integrität der Ukraine verletzt, was uns dazu veranlasste, als Antwort darauf in Absprache mit unseren europäischen Partnern mehrere Maßnahmen zu ergreifen", teilte das Weiße Haus nach dem einstündigen Gespräch mit.

Obama habe dabei Schritte zu einem diplomatischen Ausweg aus der Krise skizziert: Putin müsse die russischen Soldaten zurück in ihre Kasernen auf der Krim beordern. Auch müsse er internationale Beobachter auf die Krim lassen, die dort die Rechte ethnischer Russen sicherstellten. Darüber hinaus müsse Putin direkten Gesprächen mit ukrainischen Offiziellen zustimmen. "Präsident Obama hat betont, dass es einen Weg gibt, die Situation diplomatisch zu lösen."

Putin mahnte nach Angaben des Kremls, dass das Verhältnis zwischen Moskau und Washington nicht unter dem Ukraine-Konflikt leiden sollten. Die Beziehungen zwischen Russland und den USA seien "von höchster Bedeutung für die weltweite Stabilität und Sicherheit" und dürften angesichts des Konflikts in der Ukraine nicht aufs Spiel gesetzt werden, hieß es in der Erklärung. Putin betonte, die augenblickliche politische Führung der Ukraine sei auf nicht verfassungsgemäßem Weg an die Macht gekommen.  

Es war das zweite Telefonat zwischen Obama und Putin binnen sechs Tagen. Nach Angaben des Kreml kamen beide Präsidenten überein, dass die beiden Außenminister, Sergej Lawrow und John Kerry, weiter in engem Kontakt bleiben sollten.

Die USA hatten zuvor Einreiseverbote gegen Verantwortliche in Russland und der Ukraine verhängt, die nach ihrer Ansicht "am direktesten in die Destabilisierung der Ukraine verwickelt" sind. Außerdem ermöglichte Obama per Dekret, in den USA liegendes Vermögen der Betroffenen einzufrieren. Das Weiße Haus warnte Russland zudem vor einer möglichen Ausweitung der Strafmaßnahmen.

Wirtschaftssanktionen vorbereitet

Auch die EU hat bereits einen Sanktionsplan vorbereitet. Bei einem Sondergipfel einigten sich die Vertreter der Länder am Donnerstag auf einen Drei-Stufen-Prozess, der im Falle eines Anschlusses der Krim an Russland in Kraft tritt.   

Im ersten Schritt will die EU Verhandlungen über Visa- Erleichterungen und über ein neues Rahmenabkommen für die Beziehungen zwischen der EU und Russland aussetzen. Verweigere sich Moskau Verhandlungen zur Lösung des Krise und der Beteiligung an einer Kontaktgruppe mit Kiew, werde die EU Einreiseverbote, Kontensperrungen und notfalls auch wirtschaftliche Sanktionen verhängen. Das sagte EU-Gipfelchef Herman Van Rompuy. Die EU erwarte, dass Russland "innerhalb der nächsten Tage" Verhandlungen mit der Ukraine über eine friedliche Beilegung des Konflikts beginne.

Wie auch Obama verurteilten die 28 EU-Staats- und Regierungschefs die Entscheidung des moskautreuen Krim-Parlaments für eine Volksabstimmung über die Abtrennung der Halbinsel von der Ukraine. Die mehrheitlich russische Bevölkerung soll bereits am 16. März bei einer vorgezogenen Volksabstimmung darüber entscheiden. In Russland wurden erste Vorbereitungen für eine Angliederung getroffen. Das sei "unrechtmäßig", heißt es in einer Erklärung des EU-Gipfels. Der ukrainische Regierungschef Arseni Jazenjuk sagte: "Die Krim ist, war und wird weiterhin ein integraler Teil der Ukraine sein."

In den vergangenen Tagen hatten prorussische Kräfte auf der Halbinsel die Macht übernommen. Die Ukraine und die USA werfen Russland vor, russische Soldaten hätten die Krim unter ihre Kontrolle gebracht. Russland weist den Vorwurf zurück und spricht von lokalen "Selbstverteidigungskräften".