Ungeachtet weiterer Sanktionsdrohungen aus Washington und Europa übernimmt Russland peu à peu die militärische Kontrolle über die Krim. Am frühen Morgen rückten Spezialeinheiten auch auf dem Marinestützpunkt von Feodossia ein. Nach Angaben des ukrainischen Militärs setzten die Russen gepanzerte Fahrzeuge, Kampfhubschrauber sowie Blendgranaten ein. Demnach waren auch Schüsse zu hören, zwei ukrainische Soldaten wurden verletzt und per Helikopter ausgeflogen. Kurze Zeit später verließen drei Lastwagen mit rund 80 gefesselten ukrainischen Soldaten den Stützpunkt.

In den vergangenen Tagen waren bereits mehrere ukrainische Militärbasen auf der Krim kampflos von russischen Einheiten besetzt worden. Darunter waren mehrere ukrainische Kriegsschiffe im Hafen von Sewastopol und der Luftwaffenstützpunkt Belbek, dessen Kommandeur anschließend festgenommen wurde.

Der ukrainische Verteidigungsminister Igor Tenjuch bezeichnete die Lage zuletzt als komplex und bedauerte die kampflose Übernahme der Stützpunkte und Schiffe. "Sie wissen, dass in den vergangenen Tagen Schiffe blockiert und übernommen wurden, obwohl alle Kommandanten den Befehl zum Einsatz der Waffen hatten", sagte der Minister am Sonntag.

Russland hatte sich die ukrainische Teilrepublik am Freitag ungeachtet internationaler Proteste einverleibt, nachdem sich die Bevölkerung in einem kurzfristig angesetztem Referendum mehrheitlich für den Beitritt zur Russischen Föderation ausgesprochen hatte. Zu dem Zeitpunkt befanden sich mehrere Tausend russische Streitkräfte auf der Halbinsel. Unterstützt von sogenannten prorussischen Selbstverteidigungsgruppen postierten sie sich vor ukrainischen Kasernen und schlossen die Soldaten dort ein.

"Lage explosiver als noch vor einer Woche"

Brisant erscheint vielen Beobachtern derzeit die Lage in der Ostukraine. So zeigte sich die Nato beunruhigt über die russische Truppenpräsenz an der Ostgrenze des Landes. Die Streitkräfte dort seien so stark, dass sie im Konflikt um die abtrünnige Region Transnistrien auch eine Bedrohung für die frühere Sowjetrepublik Moldau darstellen könnten, sagte Oberkommandeur des Militärbündnisses, Philip Breedlove. Der ukrainische Außenminister Andrej Deschtschyzja bezeichnete die Lage in einem Interview mit dem US-Sender ABC als "explosiver, als sie es noch vor einer Woche war". Niemand wisse, was Russlands Präsident Wladimir Putin im Sinn habe.

Aus Moskau folgten die Dementis. Die russische Regierung beachte "alle internationalen Vereinbarungen zur Begrenzung der Truppengröße in Grenzregionen zur Ukraine", sagte Vize-Verteidigungsminister Anatoli Antonow laut der Nachrichtenagentur Interfax. Eine Expertengruppe von der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) soll nun von diesem Montag an weitere Informationen über die Lage insbesondere in der Süd- und Ostukraine liefern.