Aus Angst vor einer russischen Invasion in den Ostteilen des Landes will die ukrainische Übergangsregierung die Truppen dort halten und deshalb in den Konflikt um die Halbinsel Krim keinesfalls militärisch eingreifen. "Wir können keine militärische Operation auf der Krim starten, weil dann unsere Ostgrenze bloßliegen würde und die Ukraine nicht geschützt wäre", sagte Übergangspräsident Alexander Turtschinow. "Darauf zählt auch die russische Armee", fügte er hinzu.

Die ukrainische Halbinsel steht nach einem russischen Militäreinsatz faktisch bereits unter der Kontrolle Moskaus. Der politische Anschluss soll am Sonntag per Referendum beschlossen werden. Turtschinow bezeichnete den Volksentscheid über einen Beitritt der Halbinsel zur Russischen Föderation  als "Farce". "Was als Referendum bezeichnet wird, spielt sich nicht auf der Krim ab, sondern in den Büros des Kremls", kritisierte er.    

Das Parlament der Krim in der regionalen Hauptstadt Simferopol hatte zuvor fast geschlossen für eine Unabhängigkeitserklärung von der Ukraine gestimmt. Nach dem Volksentscheid über den künftigen Status der Region will sich die Krim demnach an die Russische Föderation wenden, um "als neues Subjekt der Föderation" aufgenommen zu werden.

Nun hat die moskautreue Führung beschlossen, den Luftraum über der Halbinsel bis nach dem Referendum einzuschränken. Damit soll die Ankunft von "Provokateuren" aus Kiew und der Westukraine verhindert werden, sagte der selbst ernannte Vizeregierungschef Rustam Temirgalijew der Agentur Interfax. Bereits am Vortag waren mehrere Verbindungen von Simferopol in die Hauptstadt Kiew sowie nach Istanbul gestrichen worden. Die türkische Metropole ist ein beliebtes Reiseziel für Angehörige der muslimischen Minderheit der Krimtataren.   


In dem Konflikt, in dem Moskau nach den Worten Turtschinows jeden Kontakt zu Kiew ablehnt, wendet sich die ukrainische Führung an die USA. Dort empfängt Präsident Barack Obama an diesem Mittwoch Übergangsregierungschef Arseni Jazenjuk im Weißen Haus. Auf dem Programm stehen auch Treffen mit US-Vizepräsident Joe Biden, Kongressmitgliedern sowie Vertretern des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank. Am Donnerstag reist Jazenjuk weiter nach New York zur UN.

"Putin muss zur Rechenschaft gezogen werden"

Rückendeckung bekamen Jazenjuk und Turtschinow auch durch den US-Kongress. In einer am Dienstag einstimmig verabschiedeten Entschließung des Senats werden der umgehende Abzug russischer Truppen von der Krim und härtere Sanktionen gegen Moskau gefordert. Zudem verlangten die Abgeordneten, dass Russland aus der Gruppe der acht weltweit führenden Industrienationen (G8) ausgeschlossen wird und der Weltfußballverband Fifa seine Entscheidung, die Fußballweltmeisterschaft im Jahr 2018 in Russland auszutragen, überdenken soll.

Auch das Repräsentantenhaus verabschiedete eine entsprechende Resolution. Der Sprecher der Kammer, der Republikaner John Boehner, verurteilte das Vorgehen Russlands als "feindliche Aggressionsakte". Putin habe "bewiesen, dass er eine Bedrohung und eine Gefahr für die Stabilität in der Region ist". Dafür müsse er "zur Rechenschaft gezogen werden".