Der UN-Sondergesandte Robert Serry hat seine Mission auf der ukrainischen Halbinsel Krim abgebrochen. Grund sei eine Auseinandersetzung mit etwa zehn bis 15 bewaffneten Männern, die ihn zum Verlassen der Region aufgefordert hätten, teilten UN-Vertreter mit. Die Männer hätten ihn zum Flughafen Simferopol gefahren. Von dort aus verlasse Serry die Krim.

Auf der ukrainischen Halbinsel sei der UN-Konvoi von einer Gruppe Männer gestoppt und bedroht worden. Einige von ihnen seien bewaffnet gewesen, sagte der stellvertretende UN-Generalsekretär Jan Eliasson in einer Pressekonferenz. Serry sei unversehrt und nicht gekidnappt worden. Medien hatten zuvor berichtet, der UN-Gesandte befände sich in den Händen der Angreifer. Sie beriefen sich dabei auf Angaben der ukrainischen Regierung.

Serry war am Dienstag auf der Krim eingetroffen, um sich ein Bild von der Lage zu machen. Zur Zeit des Überfalls war er vor dem Sitz der Seestreitkräfte. Dort wurde er von bewaffneten Unbekannten angesprochen und aufgefordert, "die Krim zu verlassen". Serry stieg aus seinem Wagen, weigerte sich jedoch zunächst, zum Flughafen zurückzukehren. Stattdessen floh er in ein Café, gemeinsam mit Reportern, die er bat, die Ereignisse weiter zu filmen.

Anschließend brachten die Bewaffneten Serry doch zum Flughafen. Ein Reporter schrieb, Serry werde seine Mission abbrechen und die Krim wieder verlassen.

Zur Stunde sollen zudem etwa 100 prorussische Demonstranten zum Hauptquartier der OSZE-Beobachter auf der Krim ziehen. Am Nachmittag hatten sich erste Beobachter auf den Weg dorthin gemacht. Ein Reuters-Reporter berichtet, die Demonstranten versuchten, das Gebäude zu blockieren. 

In der Nähe von Jalta wurde ein hochrangiger Offizier des ukrainischen Grenzschutzes auf der Krim als Geisel genommen, bestätigte der ukrainische Grenzschutz. Michail Kowal sei am Nachmittag von etwa 40 Menschen in Biker-Kleidung gefasst und in einen Jeep gezogen worden. Die Grenzschutzbehörde geht davon aus, dass er nach Sewastopol gebracht wurde.


Demonstranten erobern Regierungsgebäude in Donezk zurück

In Donezk sind prorussische und proukrainische Demonstranten aneinander geraten. Mehrere Menschen wurden nach Angaben der Polizei leicht verletzt. Etwa 5.000 Unterstützer der neuen Regierung in Kiew hätten im Zentrum der ostukrainischen Stadt gegen die Politik Russlands auf der Halbinsel Krim protestiert, berichteten örtliche Medien. In der Nähe fand eine Gegenkundgebung mit rund 2.000 moskautreuen Teilnehmern statt.

Nach Wortgefechten seien einige Demonstranten mit Holzlatten aufeinander losgegangen, hieß es. Auch in der ostukrainischen Stadt Charkiw demonstrierten Hunderte Russland-Anhänger gegen die proeuropäische Führung in Kiew.

Am Nachmittag hatten prorussische Demonstranten in Donezk das wichtigste Regierungsgebäude gestürmt. Mit russischen Flaggen hatte sich die Menge Zutritt zu dem Gebäude verschafft. Etwa zehn Menschen wurden verletzt, als sie den Polizeikordon durchbrachen. Dies beobachtete ein AP-Reporter in Donezk. Am Morgen hatte die ukrainische Polizei das Gebäude geräumt,  das seit Montag besetzt gewesen war. 

Ähnliche Zwischenfälle hatte es zuletzt schon in anderen Orten im Osten der Ukraine gegeben. Die Region gilt als weitgehend prorussisch. Von dort stammt auch der inzwischen nach Russland geflüchtete abgesetzte Präsident Viktor Janukowitsch.