Die ukrainische Regierung warnt vor einer wachsenden Gefahr eines Krieges mit Russland. Keiner wisse, was Russlands Präsident Wladimir Putin im Sinn habe und wie seine Entscheidung aussehe, sagte Ukraines Außenminister Andrej Deschtschyzja dem US-Sender ABC. Die Lage sei "explosiver, als sie es noch vor einer Woche war", das Risiko eines Krieges steige an.

Zuvor hatte die ukrainische Regierung mitgeteilt, sie halte die russischen Truppen an der Ostgrenze des Landes für eine akute Bedrohung. Die Soldaten seien "jederzeit zu einem Angriff bereit", sagte der Chef des ukrainischen Sicherheits- und Verteidigungsrats, Andrij Parubij. Putins Ziel sei "nicht die Krim, sondern die gesamte Ukraine".

Auch die USA befürchten eine weitere Eskalation des Konflikts. Der stellvertretende amerikanische Sicherheitsberater Tony Blinken sagte auf CNN, Russland versuche derzeit offenbar, die Ukraine mit der Stationierung Tausender Soldaten im Grenzgebiet einzuschüchtern. Es sei aber auch möglich, dass sie einen Einmarsch im Osten der Ukraine vorbereiteten.

Die USA prüften zwar Möglichkeiten einer militärischen Unterstützung der Ukraine, sagte Blinken. "Es ist aber sehr unwahrscheinlich, dass das Russlands Kalkül ändert und eine Invasion verhindert."

Nato zeigt sich besorgt

Auch die Nato zeigte sich besorgt über die Präsenz russischer Truppen an der Ostgrenze der Ukraine. "Die Streitmacht, die jetzt im Osten an der ukrainischen Grenze ist, ist sehr, sehr groß und sehr, sehr einsatzbereit", sagte der Nato-Oberkommandeur Philip Breedlove. "Da sind absolut ausreichend Kräfte an der Ostgrenze der Ukraine, um nach Transnistrien zu gelangen, wenn die Entscheidung fällt, das zu tun. Und das ist sehr beunruhigend."

Transnistrien ist eine abtrünnige Region der Republik Moldau, in der jetzt schon 2.000 russische Soldaten in einer sogenannten Friedenstruppe stationiert sind. Moldau hat keine Grenze zu Russland, zwischen beiden Ländern liegt die Ukraine.

Russland dementiert Truppenaufmarsch

Die russische Regierung hatte dagegen versichert, es gebe nicht die Absicht, russische Truppen in die Ukraine zu schicken. Zudem dementierte sie, Truppen in übergroßer Zahl an der ukrainischen Ostgrenze stationiert zu haben. Moskau beachte "alle internationalen Vereinbarungen zur Begrenzung der Truppengröße in Grenzregionen zur Ukraine", sagte der stellvertretende Verteidigungsminister Anatoli Antonow laut der Nachrichtenagentur Interfax. 

Außenminister Frank-Walter Steinmeier hatte zuvor Russland vor Übergriffen über die Krim hinaus gewarnt. "Ich mache mir große Sorgen, dass der völkerrechtswidrige Versuch, 25 Jahre nach Ende des Kalten Kriegs international anerkannte Grenzen in unserer europäischen Nachbarschaft zu korrigieren, die Büchse der Pandora öffnet", sagte Steinmeier der Welt am Sonntag.

"Sollte Russland über die Krim hinausgreifen, werden wir in Europa einschneidende Maßnahmen beschließen, selbst wenn wir hierfür wirtschaftliche Nachteile in Kauf nehmen müssen."

Rubel wird auf Krim eingeführt

Am Wochenende hatte Russland auf der Krim Tatsachen geschaffen: Präsident Wladimir Putin ordnete die Einführung von russischen Verwaltungsstrukturen auf der bisher ukrainischen Halbinsel an. Zudem solle dort am Montag der russische Rubel als Zahlungsmittel neben der ukrainischen Währung Griwna eingeführt werden.

Militärisch hat Russland die Krim weitgehend unter Kontrolle: Das russische Verteidigungsministerium teilte mit, die russische Fahne wehe über 189 Militäreinrichtungen auf der Krim. Ob es noch Stützpunkte unter ukrainischer Kontrolle gibt, ließ das Moskauer Ministerium offen.