Die ukrainische Regierung plant nach eigenen Angaben den Abzug ihrer Soldaten von der Krim. Der Chef des Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrats, Andrij Parubij, sagte, der Plan solle auch gewährleisten, dass die Familienangehörigen der Soldaten "so schnell wie möglich" die von Russland beanspruchte Halbinsel verlassen könnten. 

Die Führung in Kiew werde außerdem die Vereinten Nationen um Unterstützung bitten, die Krim zu einer entmilitarisierten Zone zu erklären. Die eigenen Soldaten sollen auf dem ukrainischen Festland stationiert werden. Die Ukraine werde zudem die von Russland dominierte Gemeinschaft Unabhängiger Staaten verlassen, sagte Parubij weiter. Die GUS wurde 1991 gegründet und ist ein loser Zusammenschluss elf ehemaliger Sowjetstaaten.

Kurz zuvor hatte die Regierung in Kiew noch ein Ultimatum zur Freilassung aller Gefangenen gestellt, die während der Einnahme des Hauptquartiers der ukrainischen Marine festgenommen wurden. Die prorussische Regionalregierung auf der Krim habe bis 20 Uhr (MEZ) Zeit, den Marine-Oberbefehlshaber Sergej Gajduk und die anderen "Geiseln" freizulassen, teilte der ukrainische Interimspräsident Alexander Turtschinow mit. Wenn dies nicht geschehe, werde es eine "angemessene Antwort" geben.

Etwa 200 prorussische Aktivisten und russische Soldaten hatten am Morgen in Sewastopol das Hauptquartier der ukrainischen Marine gestürmt, ohne dass Schüsse fielen. Der ukrainische Oberbefehlshaber Gajduk wurde nach Angaben der russischen Streitkräfte "zum Verlassen der Basis gezwungen und weggebracht". Im Laufe des Tages nahmen prorussische Milizen einen weiteren  Stützpunkt der ukrainischen Armee auf der Krim ein.

Deutsches Rüstungsgeschäft gestoppt

Einen dritten ukrainischen Stützpunkt nahmen die Milizen am Abend ein. Nach Angaben von Angehörigen der ukrainischen Marine kam es dabei auf der Basis in Bachtschisarai – rund 30 Kilometer südwestlich von Simferopol – nicht zu Gewalt. "Russische Soldaten kamen hier an und forderten uns auf, die Basis zu verlassen. Das haben wir getan", sagte ein Major vor dem Stützpunkt. Als sich Journalisten dem Eingangstor nähern wollten, hätten russische Soldaten in die Luft gefeuert.

Wegen der Krim-Krise wird ein millionenschweres deutsch-russisches Rüstungsgeschäft auf Eis gelegt. Die Bundesregierung halte "in der gegenwärtigen Lage die Ausfuhr des Gefechtsübungszentrums nach Russland für nicht vertretbar", teilte das Wirtschaftsministerium von Sigmar Gabriel (SPD) mit. Rheinmetall wollte ein hochmodernes Gefechtsübungszentrum an Russland liefern.

"Gegen globalen Rüpel wehren"

Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen sieht in dem Anschluss der Krim an Russland einen "Weckruf" für die transatlantische Gemeinschaft. "Dies ist die größte Bedrohung für Europas Sicherheit und Stabilität seit dem Ende des Kalten Krieges", hieß es in einem vorab veröffentlichten Redetext des Nato-Chefs für einen geplanten Auftritt in Washington.

Es gehe bei dem Konflikt nicht nur um die Ukraine, sondern um den Versuch Russlands, "die Uhr zurückzudrehen". Es wolle neue Grenzen auf den Karten ziehen, Märkte monopolisieren und Bevölkerungen unterwerfen. "Und Gewalt nutzen, um Probleme zu lösen", sagte Rasmussen laut dem Manuskript. "Russland hat seine Glaubwürdigkeit und Verlässlichkeit als internationaler Akteur infrage gestellt."

Er forderte Moskau erneut auf, seinen internationalen Pflichten nachzukommen. Zugleich gestand Rasmussen ein, dass es keine schnellen und einfachen Wege gibt, "sich gegen globale Rüpel zu wehren". In Demokratien müsse zuerst debattiert und abgewogen werden, um legitimierte Entscheidungen zu treffen. "Wir sehen Gewalt als das letzte Mittel und nicht als das erste."

US-Präsident Obama schloss ein militärisches Engagement in der Ukraine allerdings aus. Dazu werde es nicht kommen, sagte er in einem Interview mit dem Sender KNSD. Auch die Menschen in der Ukraine würden dies nicht für richtig halten. Stattdessen würden die USA ihre diplomatischen Bemühungen forcieren. Damit solle Russland dazu gebracht werden, seinen Griff um die ukrainische Halbinsel Krim zu lockern.

Die Bewohner der ukrainischen Halbinsel hatten sich am Sonntag in einem umstrittenen Referendum für eine Angliederung an Russland ausgesprochen. Der russische Staatschef Wladimir Putin unterzeichnete am Dienstag einen entsprechenden Vertrag, den das Verfassungsgericht am Mittwoch einstimmig bestätigte. Der Westen verurteilt das Vorgehen Russlands als völkerrechtswidrig.