Der Friedensvertrag zwischen Ägypten und Israel war einst die Grundlage für massive jährliche Militärhilfen der Amerikaner an das ägyptische Militär. Nach dem Sturz von Präsident Mohammed Mursi froren die USA die Unterstützung weitgehend ein. Erneute Zahlungen und Rüstungslieferungen machten sie damals von einem "glaubwürdigen Prozess hin zu einer demokratisch gewählten zivilen Regierung" abhängig.

Dass Ägypten davon heute weiter entfernt ist denn je, wissen auch US-Außenminister John Kerry und Verteidigungsminister Chuck Hagel. Das Bekenntnis zum Frieden mit Israel reichte ihnen nun, um einen Teil der Gelder freizugeben und zehn Apache-Hubschrauber ausliefern zu lassen. Sie mögen die amerikanischen Kongressabgeordneten davon überzeugt haben, dass die ägyptische Armee die Helikopter braucht, um ihre Kampagne gegen Extremisten und Terrorgruppen auf der Sinai-Halbinsel erfolgreich fortzuführen. Für die volle Wiederaufnahme der Hilfen müsste die US-Regierung den Abgeordneten demokratische Fortschritte in Ägypten glaubhaft machen.

Die Kooperation mit Israel und den USA in der Terrorbekämpfung mag wertvoll sein. Und in der Tat haben die Ägypter bewiesen, dass sie daran weiterhin interessiert sind. Sie haben begriffen, dass es gemeinsame Sicherheitsinteressen gibt. Das eigentliche Problem einer Wiederaufnahme der Militärhilfen: Sie ist ein klares Signal der Zustimmung für eine Politik, die mehr und mehr auf Gewalt und Unterdrückung beruht. Präsident Barack Obamas Aussage vom vergangenen August, dass die USA sehr vorsichtig sein müssten, um nicht Aktionen zu unterstützen und begünstigen, die ihren Werten und Idealen zuwiderliefen – sie verblasst. Stattdessen ist der Pragmatismus zurückgekehrt, der sich um Werte naturgemäß weniger schert als um Interessen.

Orientierung nach Russland

Befürworter dürften jetzt argumentieren, die USA hätten doch durch die Militärhilfen einen stärkeren Hebel, um die ägyptischen Machthaber zu beeinflussen. Man darf sich fragen: Konnten sie das etwa bisher? Alle Kritik aus den USA an Menschenrechtsverstößen, Einschränkungen der Pressefreiheit, politischen Verhaftungen hat nichts bewirkt. Wenn also Einflussnahme als Grund wegfällt, wäre Obama besser konsequent und glaubwürdig geblieben und hätte es beim Stopp der Militärhilfen belassen.

Ein wirksamer Hebel sind amerikanische Rüstungslieferungen auch deshalb nicht, weil Ägypten in diesem Bereich längst eine neue Partnerschaft eingegangen ist: Feldmarschall Abdel Fattah al-Sissi sucht die Nähe Russlands, geplant sind Lieferungen von Hubschraubern, Kampfjets und Flugabwehrsystemen, meist bezahlt von Saudi-Arabien, das zusammen mit anderen Golfstaaten auch direkte Finanzhilfen in Milliardenumfang überweist und häufig kostenlos Benzin und Gas liefert. Ägypten braucht Amerika nicht mehr.

Den neuen Herrschern in Kairo imponiert die kompromisslos-autoritäre Politik Russlands ohnehin – ebenso wie die Chinas –, auf der anderen Seite weitet der Kreml durch die Kooperation seinen Einfluss in der Region aus. Bevor die USA in Camp David 1979 den Friedensvertrag zwischen Ägypten und Israel vermittelten, nachdem sich der damalige ägyptische Präsident Anwar as-Sadat nach Westen orientierte, war die Sowjetunion schon einmal der Hauptverbündete des Landes. Aus der Einflusssphäre des Kreml war Ägypten damit aber verschwunden. In den vergangenen Jahren hat Russland seine Präsenz in Nahost nun wieder deutlich ausgebaut, während die Beziehungen der Amerikaner mit vielen Ländern merklich schwieriger geworden sind. Der Rückzieher der USA bei der Militärhilfe für Ägypten war die Vorlage für einen weiteren Schritt in dieser Richtung. Die zehn Apaches wirken wie ein recht fragwürdiger Versuch der USA, im Spiel zu bleiben.