Der Mann, der die Geschicke Algeriens nach dem Willen der Regierungspartei FLN auch in Zukunft lenken soll, sitzt im Rollstuhl und kann sich kaum noch bewegen. Der Blick ist starr, die Stimme schwach. Dennoch hält die Partei mit unbeirrbarer Sturheit an ihrem Kandidaten fest.

Bouteflikas kranker Körper wird mehr und mehr zum Sinnbild des politischen Systems in Algerien, in dem die Mächtigen verzweifelt versuchen, den Status quo durch Stillstand zu konservieren. Hinter der Starre jedoch verbirgt sich ein Generationenkonflikt, der jederzeit offen zu Tage treten könnte.

Zwischen Vergreisung und Jugendarbeitslosigkeit

Der FLN hat seine Erneuerung versäumt, Bouteflika ist seit 15 Jahren an der Macht und der letzte Präsident der alten Garde, die als Nationale Befreiungsfront FLN im Algerienkrieg für die Unabhängigkeit gekämpft hat. Er wird als der starke Souverän inszeniert, dem es gelang, Algerien aus den Bürgerkriegswirren und dem islamistischen Terror der neunziger Jahre zu führen. Der Präsident ist also für den FLN mehr als eine charismatische Führungsfigur. Er ist der Garant für die Legitimität der Regierungspartei, die sich vor allem auf vergangene Erfolge stützt. Der FLN wird daher nicht müde, die bewegte Vergangenheit Algeriens hervorzukramen.

Dieser Rückwärtsgewandtheit steht ein Durchschnittsalter der Bevölkerung von unter 30 Jahren und eine Jugendarbeitslosigkeit von offiziell 25 Prozent gegenüber. Die wirtschaftlichen Probleme Algeriens sind erdrückend, denn obwohl das größte Land auf dem afrikanischen Kontinent vom Erdgas- und Erdölexport leben kann, müssen Grundnahrungsmittel wie Getreide oder Milch in großem Stil importiert werden – mehr als die Hälfte des gesamten Bedarfs der Bevölkerung wird durch Einfuhren gedeckt. Die landwirtschaftlichen Flächen sind marginal. Auch aus diesem Grund ist der prosperierende Sektor nach wie vor die öffentliche Verwaltung, in der 40 Prozent aller Beschäftigten angestellt sind.

Trotz der politischen Frustration haben die jungen Algerier bisher wenig Willen gezeigt, das politische System zu verändern. Die Angst vor einem neuen Bürgerkrieg sitzt zu tief, gar eine Rekolonialisierung durch Frankreich wird befürchtet, sollte sich Algerien für den Weg entscheiden, den Libyen oder Ägypten bereits gegangen sind. Das weiß auch die Regierung und lässt keine Gelegenheit aus, vor den Gefahren eines Umsturzes zu warnen und sich als alternativlose Größe der Stabilität zu präsentieren.

Die Konkurrenz ist zahnlos

Aussichtsreiche Gegenkandidaten gibt es ohnehin nicht. Von den fünf vom Verfassungsrat zugelassenen Präsidentschaftskandidaten neben Bouteflika haben nur zwei weiteren eine Chance, Wählerstimmen im messbaren Prozentbereich auf sich zu vereinigen.

Der ehemalige Justiz- und Premierminister Ali Benflis gilt als Kandidat der jungen Leute – er ist Jahrgang 1944. Vor genau zehn Jahren ist er schon einmal als unabhängiger Kandidat gegen Bouteflika angetreten, nachdem er sich als Regierungschef des FLN mit seiner Partei überworfen hatte. Er schaffte es auf den zweiten Platz, mit etwas über sechs Prozent. 

Auch Louisa Hanoune von der Arbeiterpartei PDT hat 2004 schon einmal gegen Bouteflika kandidiert, als erste Frau in der Geschichte Algeriens – sie erhielt knapp ein Prozent der Stimmen. Zurzeit macht Hanoune, obwohl selbst Kandidatin, jedoch überwiegend Schlagzeilen entweder durch direkte Fürsprache für Bouteflika oder durch gezielte Angriffe auf dessen Widersacher Benflis, wie die arabische Zeitung Al-Quds al-Arabi berichtet.