Die türkische Regierung hat bestätigt, dass eine Stiftung von Bilal Erdoğan, dem Sohn von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan, eine Spende von 99.999.990 Dollar US-Dollar (etwa 72 Millionen Euro) erhalten hat. Das Geld sei aus dem Ausland an die Bildungsstiftung Türgev überwiesen worden, sagte Vizepremier Bülent Arinc. Damit antwortete er auf eine parlamentarische Anfrage der Oppositionspartei CHP, wie die türkische Presse meldete. Von wem das Geld stammte, sagte Arinc nicht.   

Die CHP sieht die Millionenspende als Hinweis auf Korruption. Sie geht davon aus, dass das Geld aus dem Nahen Osten kommt. Erdoğans Sohn Bilal ist in der Leitung der Türgev tätig. 

Schon seit Monaten gibt es Korruptionsvorwürfe gegen die Regierung von Ministerpräsident Erdoğan, dabei stand auch sein Sohn im Fokus. Im Februar tauchte im Internet der angebliche Mitschnitt eines Telefonats zwischen Erdoğan und Bilal auf, in dem sich die beiden darüber unterhalten, wie man größere Geldsummen vor der Justiz verstecken könne. Erdoğan wies den Mitschnitt als Manipulation zurück. 

Vier Minister mussten in Korruptionsaffäre zurücktreten

Die Telefonate sollen am 17. Dezember 2013 geführt worden sein. An dem Tag wurden bei Großrazzien zahlreiche Verdächtige aus dem Umfeld der Regierungspartei AKP unter Korruptionsverdacht festgenommen, darunter auch die Söhne von drei Ministern. Vier Minister mussten im Zuge der Affäre zurücktreten.

Erdoğan bezeichnet die Korruptionsvorwürfe als Komplott gegen ihn und die Türkei. Als Drahtzieher bezeichnete er unter anderem die Anhänger des islamischen Predigers Fethullah Gülen, der zu Erdoğans einflussreichsten Gegnern gehört. Als Reaktion auf die Korruptionsvorwürfe ließ er Internetdienste wie YouTube und Twitter sperren, die Sperre wurde aber per Gerichtsurteil wieder aufgehoben.