Bei Ausschreitungen in einem Slum in Rio de Janeiro ist ein Mensch erschossen worden, berichtet die Zeitung O Globo unter Berufung auf die Gesundheitsbehörde. Hintergrund der Unruhen ist der Fund einer Leiche in dem Slum. Der 26-jährige Tote war ein bekannter Tänzer in einer Fernsehshow des größten Senders Globo. Seine Mutter sagte der Zeitung, sein Körper habe Stiefelspuren aufgewiesen. Sie geht davon aus, dass ihr Sohn zu Tode getreten wurde.

Aus Wut über den Tod des Tänzers zog eine Gruppe junger Männer durch die Straßen von Rio de Janeiro. Die Männer schleuderten selbst gebaute Sprengsätze auf eine belebte Straße im Touristengebiet in der Copacabana, legten Feuer und warfen mit Flaschen und anderen Gegenständen. Als eine Eliteeinheit der Polizei in den Slum Pavao-Pavaozinho einrückte, waren Hunderte Bewohner auf den Straßen. Schusswechsel waren zu hören, ein 27-Jähriger wurde dabei getötet. Wer den tödlichen Schuss abgab, ist noch unklar. Die Polizei hat bisher keine Stellungnahme abgegeben. 

Die Gegend ist nur wenige Hundert Meter von Wettkampfstätten für die Olympischen Spiele 2016 entfernt. Durch den Gewaltausbruch wurde der Verkehr auf mehreren Hauptstraßen der brasilianischen Metropole lahmgelegt.

Slum-Bewohner beschuldigen Polizei

Die Bewohner des Slums machen die Polizei für den Tod des 26-Jährigen verantwortlich: "Die Polizei hat meinen Freund zu Tode geprügelt, genauso wie sie in anderen Vierteln gefoltert und getötet haben", sagte ein Bewohner von Pavao-Pavaozinho. "Diese Bemühungen zur Befriedung der Favelas sind fehlgeschlagen. Die Polizeigewalt ersetzt doch nur, was die Drogengangs vorher getan haben."

Vor der Fußballweltmeisterschaft im Juni haben Einsatzkräfte im großen Stil Verbrecherbanden aus Slums in Rio hinausgedrängt. Bislang sind auf diese Weise 37 "polizeilich befriedete Gebiete" in einem von 1,5 Millionen Menschen bewohnten Areal entstanden. Die Gangs schlagen jedoch mit Attacken auf Polizeiposten zurück. Zudem klagen Menschen in den Favelas immer wieder über das übermäßig harte Vorgehen von Beamten, das oft zum Tod von Slumbewohnern führe.