Russland hat die ukrainische Regierung aufgerufen, nicht militärisch gegen die Demonstranten im Südosten des Landes vorzugehen. "Wir fordern einen unmittelbaren Stopp der militärischen Vorbereitungen, die zum Ausbruch eines Bürgerkriegs führen könnten", teilte das Außenministerium mit. Nach dem Sturm prorussischer Kräfte auf öffentliche Gebäude in der Ostukraine war es am Montagabend zu Auseinandersetzungen mit ukrainischen Sicherheitskräften gekommen.

Die Verantwortung für die Situation im Osten der Ukraine wies die russische Regierung vehement zurück. "Genug der Anschuldigungen gegen Russland, das für alle aktuellen Probleme der Ukraine verantwortlich gemacht wird", hieß es aus dem Außenministerium.

In der Millionenstadt Donezk hatten Spezialeinheiten ein von moskautreuen Kräften besetztes Geheimdienstgebäude geräumt. 70 prorussische Aktivisten waren festgenommen worden. Interimsstaatschef Alexander Turtschinow habe den Anti-Terror-Einsatz persönlich angeordnet, sagte der Leiter des Präsidialamtes, Sergej Paschinski, dem Internetportal censor.net.ua. Es habe keine Verletzten gegeben.

Das Geheimdienstgebäude war zuvor von teils maskierten moskautreuen Kräften gestürmt und besetzt worden. Ob die ukrainischen Spezialeinheiten weitere besetzte Verwaltungsgebäude im russischsprachigen Osten räumen würden, war zunächst unklar. In einem anderen Gebäude, dem der Gebietsverwaltung von Donezk, hatten prorussische Kräfte eine souveräne Volksrepublik nach dem Vorbild der Schwarzmeer-Halbinsel Krim ausgerufen.

Auch in Charkiw kam es zu Zusammenstößen zwischen Sicherheitskräften und prorussischen Aktivisten. An der dortigen Gebietsverwaltung soll es zwischenzeitlich gebrannt haben. Demonstranten besetzten einen Fernsehsender. Auch aus Mykolajiw wurden Auseinandersetzungen gemeldet.  

Der russische Außenminister Sergej Lawrow warnte seinen ukrainischen Kollegen Andrij Deschtschyzja in einem Telefonat vor der Anwendung von Gewalt. Zudem forderte er einen landesweiten Dialog sowie eine weitreichende Föderalisierung.

USA und Russland vereinbaren direkte Gespräche

Auch US-Außenminister John Kerry telefonierte mit Lawrow. Dabei habe er deutlich gemacht, dass Amerika die jüngsten Entwicklungen "mit großer Sorge" verfolgt habe, sagte Kerrys Sprecherin. Die prorussischen Proteste im Osten der Ukraine seien "keine spontanen Ereignisse", sondern offenbar von Moskau "sorgfältig orchestriert" worden.

Angesichts der angespannten Lage vereinbarten die USA und Russland einen neuen Anlauf für eine diplomatische Lösung der Krise. Kerry und Lawrow einigten sich nach Angaben aus Washington in ihrem Telefonat auf direkte Gespräche. An dem Treffen innerhalb der nächsten zehn Tage sollten demnach auch Vertreter der Europäischen Union und der Ukraine teilnehmen. Der genaue Termin sowie die Agenda der Gespräche müssten aber noch festgelegt werden.