Japanische Hersteller von Rüstungsgütern dürfen erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg wieder exportieren. Die Regierung in Tokio hat nach Angaben eines Sprechers das seit 50 Jahren bestehende Exportverbot gelockert. Demnach ist die Ausfuhr von Rüstungsgütern künftig erlaubt, wenn diese "zum Frieden beitragen" und dem Prinzip des "proaktiven Pazifismus" dienen. Waffenexporte in Konfliktgebiete oder an Länder, die eine Gefahr für die internationale Sicherheit darstellen, blieben hingegen verboten. 

Japan werde sich an der "gemeinsamen Entwicklung und Produktion von Verteidigungsausrüstung" beteiligen, wie der Sprecher sagte. Waffen könnten nach den neuen Regeln etwa an Anrainerstaaten wichtiger Seetransportrouten exportiert werden, um Piraten zu bekämpfen und so strategische Zulieferwege für die ressourcenarme Volkswirtschaft Japans zu schützen. Zu den potenziellen Empfängerländern gehören beispielsweise Indonesien, die mit China in Territorialfragen zerstrittenen Philippinen und Länder an den Küsten des Südchinesischen Meeres.

Die neuen Richtlinien sind Teil der Bemühungen von Ministerpräsident Shinzo Abe, vor dem Hintergrund der militärischen Expansion Chinas und atomaren Drohungen Nordkoreas die Sicherheit in Japan zu stärken.

Japans nach dem Zweiten Weltkrieg von den US-Besatzern geprägte Verfassung untersagt dem Land jegliche Kriegsführung. Dieses Friedensgebot wurde von der Bevölkerung lange Zeit größtenteils befürwortet und mündete 1967 in einem Verbot für Waffenexporte. Peking wirft der Regierung von Ministerpräsident Abe allerdings vor, Japan remilitarisieren zu wollen. Dieses Misstrauen hat auch einen historischen Hintergrund: Japan hatte während des Zweiten Weltkriegs große Teile Koreas und Chinas sowie mehrere Länder Südostasiens besetzt.

Regierungsvertreter versicherten, an den pazifistischen Richtlinien des Landes werde sich nichts ändern. Allerdings könnten sich die Spannungen im Verhältnis zu China und Südkorea verschärfen.