Bei einem Interview mit dem Spitzenkandidaten der Europäischen Volkspartei für die Europawahl, Jean-Claude Juncker, für die polnische Zeitung Gazeta Wyborcza kam es unlängst zum Eklat. "Was sagen Sie da!", empörte sich Juncker, ehemals Ministerpräsident von Luxemburg.

 Ja, was hatte ich gesagt? Ich hatte gewagt, die Behauptung aufzustellen, dass Wirtschaftssanktionen gegen Russland nicht wirksam sein werden, da die Russen in der Lage seien, härteste Krisen durchzustehen. Juncker hielt das für Quatsch. "Putin weiß, was ihn erwartet", sagte er und beschrieb, wie schwer die Sanktionen die russische Wirtschaft treffen würden.

Allerdings fügte er sofort hinzu, Sanktionen könnten nur Schritt für Schritt umgesetzt werden. Außerdem müsse man mit Russland im Gespräch bleiben. Er war irritiert, als ich ihm antwortete, dass ein derart schwankender Gegner in Putins Augen ein Schwächling sei. Nach zehn Minuten wurde das Interview abgebrochen und ich durfte keine weiteren Fragen stellen.

Trotz Bitten und Drohen

Dass der mögliche künftige Chef der "europäischen Regierung" mit so abgedroschenen Phrasen über die schwerste Krise seit zwei Jahrzehnten spricht, ist kein gutes Zeichen. Und Juncker ist keine Ausnahme unter den europäischen Politikern. Zu viele von ihnen können nicht verstehen, dass Russland, das sie vor allzu strengen Sanktionen geschützt haben, das Genfer Abkommen nicht respektieren wird.