Der neue Premierminister Frankreichs könnte die wirtschaftsfreundliche Wende durchsetzen, die Präsident François Hollande angekündigt hat. Manuel Valls ist Umfragen zufolge der populärste Sozialist Frankreichs. Zugleich wird der eher sozialliberal eingestellte Sozialist dem rechten Flügel der Partei zugerechnet und kann auch gut mit den Konservativen zusammenarbeiten.

Kenner der französischen Politik verglichen ihn bereits mit dem ehemaligen konservativen französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy. Und es ist kein Geheimnis, dass der Aufsteiger auf Dauer Hollandes Posten will.

Gerade einmal 24 Stunden nach der Niederlage der Sozialisten bei den Kommunalwahlen hatte Präsident Hollande den 51-Jährigen bisherigen Innenminister zum Regierungschef befördert. Er löste den unbeliebten Jean-Marc Ayrault ab.

Mit seiner Politik dürfte der Neue die starke französische Linke auf die Barrikaden bringen. Seine Ernennung löste bereits Ärger im linken Lager der Regierungsmehrheit aus: Die beiden grünen Minister Cécile Duflot und Pascal Canfin kündigten ihren Abschied aus dem Kabinett an. Ob die Grünen überhaupt in der Regierung bleiben, ist noch unklar.

Harter Kurs gegen Roma

Valls gilt bei den Themen Sicherheit und Einwanderung als Hardliner unter den Sozialisten. Als Innenminister vertrat er sehr umstrittene Positionen. So erlaubte er, die Show des Komiker Dieudonné M'Bala M'Bala zu verbieten, weil er sie als antisemitisch einstufte. Auch in Bezug auf Einwanderung griff er hart durch: Er trat für die Zerstörung illegaler Roma-Camps und die Ausweisung ihrer Einwohner aus Frankreich ein.  Zudem stellte er die 35-Stunden-Woche infrage, die ursprünglich von den Sozialisten kam.

Valls wurde 1962 in Barcelona geboren. 20 Jahre später erhielt er die französische Staatsbürgerschaft. Er hat vier Kinder aus erster Ehe. Seit 2010 ist er zum zweiten Mal verheiratet. Seine Frau ist die bekannte Geigerin Anne Gravoin.