In Ägypten sind erneut dutzende Anhänger des gestürzten islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi zu langjährigen Haftstrafen verurteilt worden. Der umstrittene Richter Said Jussef Sabri belegte 42 Islamisten mit drei bis 15 Jahren Haft. Es wird erwartet, dass Sabri am Montag über das Schicksal einer weiteren Gruppe von 700 Mursi-Anhängern entscheidet.

Die Urteile am Sonntag wurden wegen Gewalttaten während der Unruhen in Minja im vergangenen Sommer verhängt. Bereits am Samstag waren in der Hauptstadt Kairo 13 Angeklagte wegen der Proteste in Minja und der südlichen Stadt Samalut wegen "Unruhestiftung, Sabotage und Verstößen gegen die öffentliche Ordnung" zu Strafen von fünf bis 88 Jahren verurteilt, wie aus Justizkreisen verlautete. Gegen die Urteile ist Berufung möglich.

Die Proteste im vergangenen August richteten sich gegen die Auflösung zweier Lager der Mursi-Anhänger in Kairo. Bei der Räumung am 14. August und anschließenden Repressalien wurden mehr als 1400 Menschen getötet. 15.000 Unterstützer des Ex-Präsidenten wurden verhaftet, darunter fast die vollständige Führungsriege der Muslimbruderschaft, die im Dezember als Terrororganisation eingestuft und verboten wurde.

Richter Said Jussef Sabri hatte im März mit der pauschalen Verhängung der Todesstrafe gegen 529 Anhänger Mursis international für Empörung gesorgt. Ein Berufungsverfahren steht noch aus. Unter den 700 weiteren Islamisten, gegen die am Montag das Urteil fallen soll, ist auch der geistige Führer der Muslimbruderschaft, Mohammed Badie. Auch Mursi selbst muss sich in mehreren Prozessen vor Gericht verantworten.

Ende Mai soll in Ägypten die erste Runde der Präsidentschaftswahlen stattfinden. Als aussichtsreichster Kandidat gilt der bisherige Militärchef Abdel Fattah al-Sissi, der bislang bereits als Armeechef und Verteidigungsminister de facto die Macht hatte. Der dreiwöchige Wahlkampf soll Anfang Mai beginnen. Die verbotene Muslimbruderschaft demonstriert derzeit regelmäßig gegen al-Sissis "Republik der Angst".