Die Zahl der im Nordosten Nigerias verschleppten Mädchen liegt offenbar deutlich höher als bislang angenommen. Nach Angaben von Eltern werden noch 234 Mädchen vermisst. Bislang hatten die Behörden von 129 Entführten gesprochen, von denen sich jedoch mindestens 44 befreien konnten. Die radikalislamische Sekte Boko Haram soll hinter der Tat stecken.

Die Mädchen im Alter zwischen 15 und 18 Jahren waren in der Nacht zum 15. April aus einer Schule in dem Ort Chibok im Bundesstaat Borno verschleppt worden. Die verzweifelten Eltern warten weiter auf Informationen über den Verbleib ihrer Töchter. Die Extremisten missbrauchen Frauen häufig als Sexsklavinnen.  

Militär und Sicherheitskräfte suchen fieberhaft nach den verschleppten Mädchen. Medienberichten zufolge wurde die Suche am Osterwochenende auch auf die Grenzregionen zu den Nachbarländern Kamerun, Tschad und Niger ausgedehnt. Es wird befürchtet, dass die Täter die Mädchen aus dem Sambisa Forest, wo sie sich verschanzt halten sollen, in andere Länder schmuggeln wollen.

Erneuter Angriff auf nigerianische Schule

Am Ostersonntag griff die Boko Haram eine weitere Schule an, dieses Mal in Yana im Bundesstaat Bauchi. Dabei sei ein fünfjähriges Mädchen getötet worden, sagte Polizeisprecher Haruna Mohammed der Nachrichtenagentur NAN. Die Täter hätten unter anderem mehrere Häuser auf dem Schulgelände sowie den Schulbus in Brand gesetzt. Jedoch seien alle Schüler in Sicherheit, fügte Mohammed hinzu.

Die Sekte bekannte sich mittlerweile auch zu dem verheerenden Anschlag auf einen Busbahnhof in der Hauptstadt Abuja, bei dem vor einer Woche vermutlich über 200 Menschen getötet wurden. In einem Video, das der französischen Nachrichtenagentur AFP übermittelt wurde, nannte Sektenchef Abubakar Shekau das Attentat einen "kleinen Zwischenfall". Er kündigte weitere Anschläge an. Zu den entführten Schülerinnen äußerte er sich nicht.  

Die Boko Haram, deren Name übersetzt soviel wie "westliche Bildung ist verboten" bedeutet, attackiert neben Kirchen und Polizeieinrichtungen auch immer wieder Schulen. Allein in diesem Jahr sollen bereits mehr als 1.500 Menschen der Gewalt der Sekte zum Opfer gefallen sein.