Im Streit über eine Mitschuld Frankreichs am Völkermord in Ruanda vor 20 Jahren ist der französische Botschafter in dem ostafrikanischen Land von der offiziellen Gedenkveranstaltung zum Genozid ausgeladen worden. Ihm sei die Akkreditierung für die Zeremonie in der ruandischen Hauptstadt Kigali entzogen worden, sagte Botschafter Michel Flesch.

In Ruanda wird am heutigen Montag des Beginns des Völkermords vor 20 Jahren mit rund 800.000 Ermordeten gedacht. Die meisten Opfer gehörten der Minderheit der Tutsi an. Sie wurden binnen 100 Tagen teils auf brutale Weise getötet. An der Gedenkfeier nimmt unter anderen UN-Generalsekretär Ban Ki Moon teil. Zudem begann eine einwöchige offizielle Trauerzeit, während der keine öffentlichen Veranstaltungen, Hochzeiten oder Feiern erlaubt sind.

Am Morgen sollte zunächst eine Kranzniederlegung an den Massengräbern der offiziellen Gedenkstätte in der Hauptstadt Kigali stattfinden. Später war eine Zeremonie mit internationalen Gästen im Nationalstadion geplant. Bereits seit Januar wurde eine "Flamme der Hoffnung" durch alle 30 Bezirke des Landes getragen, die Präsident Paul Kagame übergeben werden und 100 Tage lang brennen sollte.

Kagame wirft Frankreich und Belgien eine direkte Rolle beim Völkermord vor

Kagame hatte Frankreich am Wochenende erneut eine Mitschuld an dem Völkermord vorgeworfen. Frankreich sagte daraufhin die geplante Teilnahme von Justizministerin Christiane Taubira an der Gedenkfeier ab. Am Sonntagabend erklärte das französische Außenministerium aber, Frankreich werde durch Botschafter Flesch bei der Zeremonie vertreten.

Kagame hatte in einem Interview mit der Zeitschrift Jeune Afrique gesagt, Frankreich und Belgien hätten bei der politischen Vorbereitung der Massenmorde 1994 eine direkte Rolle gespielt. Französische Soldaten, die für einen humanitären Militäreinsatz in der früheren belgischen Kolonie stationiert waren, seien Akteure und Komplizen bei den Massakern gewesen. Die französische Regierung weist derartige Vorwürfe seit jeher zurück.

Obama: Genozid "weder ein Unfall noch unvermeidlich"

US-Präsident Barack Obama sagte, der Genozid sei "weder ein Unfall noch unvermeidlich" gewesen. Er würdige das Gedenken an die Todesopfer und blicke mit Ehrfurcht auf die Überlebenden. Der Gedenktag sei eine Erinnerung daran, "unseren schlimmsten Instinkten zu widerstehen" und "unsere Pflicht gegenüber unserem Mitmenschen" nicht zu vergessen, sagte Obama weiter.

Am Montag gedachten Überlebende in allen Teilen Ruandas der Opfer.
Auslöser des Genozids war am 6. April 1994 der Abschuss des Flugzeuges, in dem Hutu-Präsident Präsident Juvénal Habyarimana unterwegs war. Wer für die Tat verantwortlich war, ist bis heute nicht geklärt. Erst Mitte Juli gelang es der Tutsi-Rebellenarmee Ruandische Patriotische Front, das Land unter Kontrolle zu bringen.