Nach der Einigung auf einen Friedensfahrplan für die Ukraine hat US-Präsident Obama davor gewarnt, den Konflikt für gelöst zu halten. Zwar sei es möglich, dass die diplomatischen Bemühungen die Situation deeskalieren könnten. Trotz dieses Hoffnungsschimmers sei ein Ende der Krise aber nicht garantiert. "Russland hat noch immer seine Truppen als Drohgebärde an der ukrainisch-russischen Grenze zusammengezogen", sagte Obama in Washington.

Der amerikanische Präsident drohte der russischen Regierung auch mit zusätzlichen Konsequenzen, sollte sich die Lage in der Ukraine nicht bessern. Die von den USA und der EU verhängten Sanktionen würden die russische Wirtschaft bereits treffen, sagte Obama. "Es könnte deutlich schlimmer werden." Zugleich bekräftigte er, dass für die USA "militärische Optionen nicht auf dem Tisch" lägen. Nach einem Telefonat Obamas mit Bundeskanzlerin Angela Merkel hieß es aus dem Weißen Haus, beide fassten weitere Sanktionen ins Auge, "falls sich die Deeskalation nicht in kurzer Zeit vollzieht".

Russlands Außenminister Sergej Lawrow hatte sich nach den Gesprächen bemüht, den Anschluss der Krim an Russland als neuen Status Quo festzuschreiben. Er sagte, dass das Vorgehen Russlands auf der Halbinsel bei den Verhandlungen keine Rolle gespielt habe. "Die Krim hat ihre Wahl getroffen. Wir haben diese Wahl anerkannt." Russland habe indessen nicht vor, seine Armee in die Ost- und Südukraine zu schicken.

US-Außenminister John Kerry sagte dagegen, das Problem der Krim bleibe weiter bestehen. Zudem drängte er Russland, die Vereinbarungen sofort umzusetzen. Ansonsten kämen weitere Kosten auf Moskau zu. "Wir waren heute hierhergekommen, um die Spannungen zu reduzieren und die Gefahr einer totalen Explosion einzudämmen", sagte der US-Außenminister. Dies sei gelungen. "Das eröffnet dem Volk der Ukraine die Möglichkeit, einen Weg zur friedlichen Lösung seiner Probleme zu finden."

Die Einigung von Genf

Die Außenminister Russlands, der USA und der Ukraine sowie die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton hatten sich in Genf auf einen Fahrplan für eine friedliche Lösung des Konflikts geeinigt. Ohne die prorussischen Milizen in der Ostukraine ausdrücklich zu nennen, sieht die Vereinbarung vor, dass "alle illegal bewaffneten Gruppen" ihre Waffen niederlegen und besetzte Gebäude räumen sollen. Den Beteiligten an bewaffneten Aktionen und Besetzern staatlicher Gebäude in der Ostukraine soll eine Amnestie gewährt werden.