Kramatorsk, 16. April. Zivilisten blockieren Transportpanzer

Auf der Ostrowskij-Straße am Markt stehen sechs Transportpanzer der 25. Brigade der Landetruppen aus Dnepropetrowsk. Zivilisten blockieren die Panzer, ein grüner Minibus steht quer auf der Straße, mehrere Pkw bewegen sich auf die Blockade zu.

Zivilisten unterhalten sich friedlich mit Militärs. Jungs aus Kramatorsk berühren den Lauf der Maschinenpistole des Panzers und fragen die Soldaten: "Gegen wen wollt ihr Krieg führen?" Der Lauf der Kanone ist mit einem Überzug bedeckt. "Wir sind nicht hier, um Krieg zu führen!", sagen die Soldaten. "Weshalb denn sonst?" fragen die Jungs. Die Soldaten schweigen.

An jedem Transportpanzer ist eine Unterhaltung im Gange, meist in ruhigen Tönen. "Ihr habt uns den Asphalt in der Stadt zerkratzt", beschwert sich eine Frau. Die Straßen in Kramatorsk sind in einem schrecklichen Zustand, ihre Beanstandung ist ironisch gemeint. "Und wir?" sagt der Soldat. "Wie viel Diesel haben wir verschwendet? So viel Geld."

"Schön, dass wir euch Jungs blockiert haben", sagt eine andere Frau. "Jetzt müsst ihr nicht sterben." Das Gespräch am vordersten Transportpanzer ist eher angespannt. "Fahrt doch los und schießt auf Jazenjuk!", schreit jemand. Ein anderer bringt ihn zum Schweigen: "Halt deinen verfickten Mund, Provokateur! Wegen solcher wie dir schießt man auf uns. Sie sind Jungs wie wir, aber sie haben einen Eid geleistet."

Die Soldaten der Landetruppen sind friedlich gesinnt und unterhalten sich gerne mit den Zivilisten. Sie sind praktisch ihre Landsleute, sie kommen doch aus der Nachbarsoblast Dnepropetrowsk. "Auf Unbewaffnete werden wir nicht schießen", sagt ein Soldat bestimmt. "Ach, das sagt ihr bloß so, und wenn es einen Befehl gibt …" "Wisst ihr, auf wen ich am liebsten schießen werde?" – ein Soldat beugt sich von der Panzerung zu einem Mann herunter und fährt fort, ohne eine Antwort abzuwarten. "Auf Amerikaner." Später wurden diese Transportpanzer vielen Berichten zufolge ohne jeden Widerstand von der Landwehr übernommen.

Der Text erschien am 16. April als Blogeintrag bei Echo Moskwy. Übersetzt aus dem Russischen von Pavel Lokshin.