Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen, so ist im Spiegel zu lesen, sei seit Beginn der Krim-Krise "förmlich aufgeblüht".

Man kann sich das gut vorstellen. Wladimir Putin hat der westlichen Allianz mit seiner völkerrechtswidrigen Annexion der Krim ungewollt einen Dienst erwiesen und sie aus der Sinnkrise befreit, die sie seit dem Ende des Kalten Krieges lähmte. Endlich muss das Verteidigungsbündnis seine Existenz nicht mehr mit Einsätzen in unübersichtlichen Weltregionen rechtfertigen, es kann zu seiner historischen Kernmission zurückkehren: der Verteidigung des Westens.

Der ist zwar noch nicht bedroht, aber wer weiß, wie weit der russische Präsident geht. Also erklärt die deutsche Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen, "für die Bündnispartner an den Außengrenzen" sei es wichtig, dass die Nato "Präsenz zeigt". Und Polens Außenminister Radoslaw Sikorski wünscht sich "die Stationierung zweier schwerer Brigaden" in seinem Land.

Noch hat die militärische Logik im Konflikt um die Zukunft der Ukraine nicht die Oberhand gewonnen. Bundeskanzlerin Merkel und Außenminister Steinmeier setzen vernünftigerweise auf Deeskalation.

Vom konservativen Kommentariat werden sie dafür heftig beschimpft. "Der Westen bellt, Moskau beißt", titelt die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Und die Neue Zürcher Zeitung berichtet angewidert von "Berliner Verneigungen vor Putin".

Man hört die Knobelbecher regelrecht auf die Redaktionsteppiche knallen! 

Glücklicherweise lässt sich die Politik von dieser publizistischen Mobilmachung bisher nicht beeindrucken. CDU/CSU-Fraktionschef Volker Kauder, wahrlich kein Ostermarschierer mit Blumen im Haar, erklärt bündig: "Wir haben klar und deutlich gesagt, dass es bei uns keine militärische Option gibt. Dabei bleibt es auch."

Manche aber mögen es heißer. "Gibt es Krieg, wenn Russland in die Ostukraine einmarschiert?", fragt die BILD-Zeitung die Verteidigungsministerin. Und diesmal gibt Ursula von der Leyen eine durch und durch vernünftige Antwort: "Ich halte eine solche Spekulation für abwegig."

Dieses verfluchte Gequatsche vom Krieg! Das diplomatische Bemühen um die künftige innere Ordnung der Ukraine und um ihren Platz in Europa hat noch gar nicht richtig begonnen, da ist allenthalben von Nato-Erweiterung, Waffenlieferungen, Truppenverlegungen, gar von einer Wiedereinführung der Wehrpflicht die Rede. In diesem Gedenkjahr – 100 Jahre Ausbruch des Ersten Weltkrieges, 75 Jahre Ausbruch des Zweiten Weltkrieges – ist das nicht nur frivol. Es ist eine gemeingefährliche Narretei.