Die ukrainische Regierung hat den prorussischen Separatisten im Osten des Landes mit dem Einsatz von Gewalt gedroht. Der Konflikt werde innerhalb von 48 Stunden gelöst, sagte Innenminister Arsen Awakow am Rande einer Kabinettssitzung in Kiew. Sollten Verhandlungen scheitern, werde Gewalt eingesetzt. Bei den konfliktbereiten Kräften handelt es sich nach seinen Worten um eine Minderheit.

Bewaffnete Separatisten halten Gebäude besetzt in Donezk und Luhansk. In Luhansk haben die Separatisten Geiseln genommen. 56 der 60 Geiseln seien in der Nacht freigelassen worden, teilte der Geheimdienst SBU mit. Alle Befreiten seien wohlauf. Zuvor hatte es Verhandlungen gegeben mit Abgeordneten, denen der Zugang zu dem Gebäude gestattet worden sei. Die Verhandlungen mit den Demonstranten würden fortgesetzt. 

Das Gebäude des Geheimdienstes war am Sonntag von prorussischen Demonstranten erstürmt worden. Die Geiselnehmer hatten im dortigen Büro 60 Menschen mit Waffen und Sprengsätzen bedroht. Am Mittwochmorgen errichteten die Demonstranten in einer Durchgangsstraße vor dem Gelände des Gebäudes hohe Barrikaden. Sie erklärten, sie wollten Autonomie für ihre Region.

Donezk-Besetzer fordern Unabhängigkeit ihrer Region

Auch in Donzek und Charkiw haben prorussische Demonstranten in den vergangenen Tagen Gebäude der Gebietesverwaltungen besetzt. In Charkiw konnten die Einsatzkräfte am Dienstag Besetzer aus einem Verwaltungsgebäude vertreiben. In Donezk dagegen halten prorussische Bewaffnete das Gebäude der Regionalverwaltung weiter besetzt. Sie forderten einen Volksentscheid über eine Unabhängigkeit ihrer Region.

Alle drei Städte liegen an der Grenze zu Russland. In dem Gebiet leben viele Unterstützer des abgesetzten Präsidenten Viktor Janukowitsch. Die neue Regierung in Kiew, die nach der Flucht Janukowitschs im Februar die Macht übernommen hatte, ist in der Ostukraine unbeliebt. Seit Sonntag kommt es in Städten der Region zu Unruhen. Das könnte die für den 25. Mai geplante Präsidentenwahl gefährden. 

Die Regierung in Kiew kündigte an, den Vorgängen in der Ostukraine nicht tatenlos zuzusehen: Innenminister Arsen Awakow sagte, in 48 Stunden werde alles vorbei sein – entweder dank der Verhandlungen mit den Separatisten, oder aber durch den Einsatz von Gewalt.