Die ukrainische Übergangsregierung will auf die zunehmende Gewalt in der Ostukraine mit einem neuen Militäreinsatz reagieren. Das kündigte Übergangspräsident Alexander Turtschinow an. Er verwies auf den Fund zweier Leichen nahe der Stadt Slowjansk, die Spuren von Folter aufgewiesen hätten. Die Opfer sollen von prorussischen Separatisten verschleppt worden sein. Einer der Getöteten soll nach Angaben der Polizei Mitglied des Stadtrates der Stadt Horlivka gewesen sein. Er habe an Kundgebungen zur Unterstützung der Übergangsregierung in Kiew teilgenommen.


Zu den von Separatisten belagerten Städten gehört das ostukrainische Slowjansk. Dort wurde ein amerikanischer Journalist von bewaffneten prorussischen Kräften gefangen genommen. Das US-Magazin Vice teilte mit, es handele sich um Simon Ostrovsky. Man stehe mit dem amerikanischen Außenministerium in Kontakt, um Ostrovskys Sicherheit zu gewährleisten.  Zuvor hatte der selbst ernannte Bürgermeister von Slowjansk, Wjatscheslaw Ponomarjow, nach einem Bericht der russischen Gazeta.ru in einer Pressekonferenz gesagt, dass der Reporter und Filmemacher in den Händen der Separatisten sei. Die OSZE-Beauftragte für Medienfreiheit, Dunja Mijatović, forderte die sofortige Freilassung Ostrovskys.

US-Außenminister John Kerry verlangte unterdessen von Russland erneut mehr Anstrengungen zur Beruhigung der Lage in der Ostukraine. Wie das US-Außenamt am Dienstag mitteilte, zeigte sich Kerry in einem Telefonat mit seinem russischen Kollegen Sergej Lawrow "zutiefst besorgt über den Mangel an positiven russischen Schritten zur Deeskalation". Der ukrainische Übergangspräsident Alexander Turtschinow hatte zuvor gesagt, der während der Ostertage unterbrochene "Anti-Terror-Einsatz" in der Ostukraine sei in vollem Umfang wieder angelaufen.

Kerry droht Russland mit weiteren Sanktionen

Laut US-Außenministerium verwies Kerry in dem Gespräch mit Lawrow auf zunehmende Beweise, dass die Separatisten immer mehr Gebäude besetzten und Journalisten sowie andere Zivilisten gefangen nähmen. Moskau müsse seine "eskalierende Rhetorik" dämpfen, diplomatisch mit der OSZE und der ukrainischen Regierung zusammenarbeiten sowie die Besetzer öffentlich zur Aufgabe aufrufen, forderte er demnach. Sollten diese Punkte aus dem vereinbarten Friedensfahrplan nicht eingehalten werden, käme es zu verschärften Sanktionen. Russland fordert, dass auch ultranationalistische und regierungsnahe Gruppen die Waffen abgeben. 

Über der von bewaffneten prorussischen Kräften kontrollierten Stadt Slawjansk war zuvor nach Angaben der Kiewer Regierung ein Beobachtungsflugzeug der Armee beschossen worden. Die Maschine vom Typ Antonow AN-30 sei mehrfach getroffen worden, aber niemand sei verletzt worden. Sie sei zu ihrem Militärstützpunkt zurückgekehrt und weiter einsatzbereit.