Wladimir Putin hat die Vereinten Nationen dazu aufgefordert, den Militäreinsatz der ukrainischen Regierung gegen die prorussischen Separatisten zu verurteilen. In einem Telefonat mit UN-Generalsekretär Ban Ki Moon nannte Putin das Vorgehen des Übergangspräsidenten Alexander Turtschinow in der Ostukraine verfassungswidrig. Zuvor hatte Ban Ki Moon einen von Turtschinow verlangten Blauhelmeinsatz in der Ukraine abgelehnt.

Gegenüber Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte Putin am Telefon laut dem Kreml, die Ukraine befinde sich am Rande eines Bürgerkrieges. Das Bundespresseamt teilte mit, beide hätten die Situation in der Ukraine bei dem Telefonat am Dienstag ausführlich erörtert. Trotz der unterschiedlichen Bewertung der Ereignisse habe die Vorbereitung des anstehenden Treffens in Genf im Mittelpunkt gestanden.

Bei dem für Donnerstag geplanten Treffen wollen die Außenminister Russlands, der USA und der Ukraine zusammen mit der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton über die Krise beraten. Außenminister Frank-Walter Steinmeier appellierte an die Teilnehmer, das Treffen auch zu nutzen. "Ein Scheitern ist nicht erlaubt", sagte er laut Mittwochsausgabe der Rheinischen Post.

USA verteidigen Ukraine

Die USA verteidigten den Militäreinsatz der ukrainischen Übergangsregierung gegen die prorussischen Separatisten. "Die ukrainische Regierung hat die Verantwortung, Recht und Ordnung herzustellen", sagte Regierungssprecher Jay Carney. Die amerikanische Regierung stützt damit weiterhin die Position von Übergangspräsident Turtschinow, der die Operation als Anti-Terror-Einsatz angekündigt hatte.

Anlässlich eines Treffens mit Unions-Fraktionschef Volker Kauder äußerte sich auch Chinas Vizeaußenminister Li Baodong. "Es ist eine unglückliche Entwicklung", sagte er am Mittwoch in Peking. Alle Beteiligten sollten umsichtig vorgehen. Dass die USA und Russland miteinander redeten, sei allerdings eine positive Entwicklung.

Eskalation im Osten

In der Ostukraine war es am Dienstag zu Schusswechseln zwischen prorussischen Separatisten und Soldaten der ukrainischen Übergangsregierung gekommen. Von Auseinandersetzungen wurde aus der Region Donezk, aus Kramatorsk und aus Slowjansk berichtet.


In Kramatorsk brachten die ukrainischen Truppen den von Separatisten besetzten Flughafen wieder unter ihre Kontrolle. Das russische Staatsfernsehen berichtete von vier bis elf Toten. Die Separatisten sprachen von einem Verletzten in ihren Reihen. Eine offizielle Bestätigung für die Opferzahlen gab es bisher nicht. In mehreren Orten der Ostukraine halten prorussische Kräfte seit Tagen Verwaltungsgebäude besetzt. Sie fordern einen föderalen Staat mit weitgehenden Autonomierechten für das russisch geprägte Gebiet.