Bei einem Angriff auf einen UN-Stützpunkt im Südsudan sind mindestens 58 Menschen getötet worden. Etwa 100 Menschen wurden verletzt, als eine aufgebrachte Menschenmenge das Camp in Bor im Bundesstaat Jonglei angriff. Dort hatten zuvor Tausende Flüchtlinge Zuflucht vor der Gewalt im Land gesucht.

Wie ein UN-Vertreter mitteilte, gab es die meisten Opfer unter den Angehörigen des Stammes der Nuer, von denen sich etwa 5.000 in dem Blauhelm-Camp aufhalten. Zudem seien zwei UN-Soldaten verletzt worden. Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen ließ ein Chirurgenteam einfliegen.

Wer die Angreifer waren ist bisher nicht bekannt. Auch unter ihnen gab es Tote – die UN-Soldaten schossen zurück, als die Angreifer auf den Stützpunkt vordrangen.  

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon verurteilte den Angriff. In Bor verschärften die Vereinten Nationen ihre Sicherheitsvorkehrungen.  

Die US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen, Samantha Power, nannte die Attacke einen "schamlosen, unmenschlichen Angriff auf unbewaffnete Zivilisten". Es handele sich um eine "Beleidigung der internationalen Gemeinschaft und eine Verletzung der Grundprinzipien zum Schutz von Zivilisten". Die Verantwortlichen für den Angriff müssten zur Rechenschaft gezogen werden.

Im erst seit Kurzem unabhängigen Südsudan bekämpfen sich Angehörige des Stammes der Nuer und des Stammes der Dinka. Der Neugründung waren jahrzehntelange Kämpfe zwischen den mehrheitlich schwarzafrikanischen Bewohnern des Südens und der arabisch dominierten Zentralmacht in Khartoum vorausgegangen. Ein Machtkampf zwischen Präsident Salva Kiir und seinem früheren Vizepräsidenten Riek Machar hatte im Dezember 2013 neue Gewalt ausgelöst. Inzwischen sind vermutlich mehr als 400.000 Menschen im Südsudan auf der Flucht.