Nach der Präsidentenwahl in Afghanistan beklagen zwei der favorisierten Kandidaten Unregelmäßigkeiten und Betrugsversuche. Der frühere Finanzminister Ashraf Ghani sagte, Beobachter seiner Partei könnten "klare Betrügereien" in einigen Wahllokalen bezeugen. Ein verfälschtes Wahlergebnis sei unakzeptabel. Er rief die Wahlkommission auf, den Hinweisen nachzugehen.

Ex-Außenminister und Oppositionsführer Abdullah Abdullah sagte, Anhänger seiner Partei hätten mehrere Beschwerden eingereicht. So seien in einigen Regionen Beobachter seiner Partei von Regierungskräften behindert worden. Zudem hätten Zehntausende oder gar Hunderttausende Wähler wegen fehlender Stimmzettel gar nicht abstimmen können.

Nach Schätzungen der Wahlkommission beteiligten sich am Samstag rund sieben Millionen der mehr als zwölf Millionen Wahlberechtigten an der historischen Abstimmung. Sie trotzten den Drohungen der islamistischen Taliban, denen es nicht gelang, die Wahl empfindlich zu stören.

Wegen des großen Andrangs verlängerte die Wahlkommission die Öffnungszeit der Wahllokale um eine Stunde. In Wahllokalen in mehreren Provinzen gingen die Stimmzettel aus, die nach Angaben der Kommission aber aus den Provinzhauptstädten nachgeliefert wurden.

Auch nach der Wahl 2009 hatte es massive Betrugsvorwürfe gegeben. Damals wurden nachträglich 1,2 Millionen Stimmzettel aussortiert, das waren 20 Prozent aller abgegebenen Stimmen.

Der scheidende Präsident Hamid Karsai regiert seit dem Sturz des Taliban-Regimes Ende 2001. Er durfte nach der Verfassung nicht für eine dritte Amtszeit kandidieren. 

Obama nimmt Wahlbehörden in die Pflicht

US-Präsident Barack Obama hat die Wahl als "wichtigen Meilenstein" auf dem Weg des Landes in eine demokratische und eigenverantwortliche Zukunft gewürdigt. Die USA werden nach seinen Worten mit der neuen Regierung weiter "auf der Basis gegenseitigen Respekts und Verantwortlichkeit" zusammenarbeiten, sagte Obama.

"Diese Wahlen sind entscheidend, um die demokratische Zukunft und die weitere internationale Unterstützung zu sichern", sagte der US-Präsident. Die USA erwarteten, dass die afghanischen Wahlbehörden in den kommenden Wochen bei der Ermittlung des Wahlergebnisses ihre Pflicht erfüllten.

Der Präsident gratulierte den Millionen Wählern, die "enthusiastisch" an der historischen Abstimmung teilgenommen hätten. Erstmals in der Geschichte des Landes werde so ein demokratischer Machtwechsel eingeleitet.