Angesichts der blutigen Unruhen in der Zentralafrikanischen Republik hat UN-Generalsekretär Ban Ki Moon vor einem "Völkermord" gewarnt und mehr internationale Unterstützung gefordert. Vor dem Übergangsparlament in Bangui rief Ban die Politiker auf, Ereignisse wie vor zwanzig Jahren in Ruanda zu verhindern.

Ban sagte, er wolle sich dafür einsetzen, dass der Konflikt in Zentralafrika nicht in Vergessenheit gerate und dass das Land nicht ein ähnliches Schicksal erleide wie Ruanda. An die zentralafrikanischen Politiker gerichtet sagte er: "Es ist Ihre Verantwortung als Führer sicherzustellen, dass es keine solchen Jahrestage in diesem Land gibt." Viele Angehörige der muslimischen Minderheit seien auf der Flucht. "Muslime und Christen seien in Lebensgefahr, nur weil sie so sind, wie sie sind, oder weil sie glauben, was sie glauben."

Ban forderte die Entsendung einer 12.000 Mann starken UN-Truppe bis Ende des Jahres, um den Konflikt einzudämmen. Derzeit sind 6.000 Soldaten dort stationiert, die afrikanische Länder geschickt haben. Außerdem 2.000 Mann aus Frankreich. Allerdings begann der Tschad am Freitag, seine 850 Soldaten von der Friedensmission abzuziehen. Sie waren beschuldigt worden, 32 Zivilisten getötet zu haben und sich auf die Seite der Muslime zu stellen.

Die EU hat zwar zugesagt, weitere Einheiten zu schicken und am Dienstag hatte die Europäische Union offiziell eine EU-Militärmission in dem Krisenstaat begonnen. Bislang kommt die Stationierung aber nicht voran. Ban fordert zusätzliche 12.000 Mann. Er zeigte sich zuversichtlich, dass der UN-Sicherheitsrat dazu "in einigen Tagen" eine Entscheidung treffen werde. Nach Bans Vorstellungen sollte der UN-Einsatz eine auch zivile Komponente umfassen, um die für Februar 2015 geplanten Wahlen mit vorzubereiten.

In Zentralafrika bekämpfen sich christliche und muslimische Bevölkerungsgruppen. Rund ein Viertel der 4,6 Millionen Einwohner des Landes ist derzeit auf der Flucht. Ban bezeichnete die Geschehnisse als eine "ethnisch-religiöse Säuberung".

Gedenken in Ruanda

Eine solche hatte Ruanda vor zwanzig Jahren erlebt. Am Montag wird dort des Völkermordes gedacht, und Ban wird zu den Gedenkfeiern reisen.

In dem ostafrikanischen Land waren 1994 mindestens 800.000 Menschen ermordet worden, die meisten gehörten der Minderheit der Tutsi an. Nach einem tödlichen Anschlag auf Präsident Juvénal Habyarimana hatte die dominierende Bevölkerungsgruppe der Hutu gegen die Tutsi gehetzt. 

Ban sagte, die internationale Gemeinschaft habe damals die Bevölkerung des Landes im Stich gelassen. 2008 kam ein ruandischer Untersuchungsbericht zu dem Schluss, das französische Militär habe die für die Massaker verantwortlichen Milizen ausgebildet, was Paris zurückwies.

Frankreich boykottiert Gedenkfeiern

Frankreich hat nun angekündigt, nicht an den Gedenkfeiern in Ruanda teilzunehmen. Grund sind Vorwürfe von Ruandas Präsident Paul Kagame, die Ex-Kolonialmacht sei an den Massakern beteiligt gewesen. Das Außenministerium in Paris erklärte, die Äußerungen stünden im Widerspruch zu dem seit Jahren laufenden Prozess des Dialoges und der Aussöhnung. Eigentlich wollte Justizministerin Christiane Taubira zu der Gedenkfeier in Kigali am Montag reisen.

Unterdessen ermutigte auch Papst Franziskus Ruanda zu Versöhnung und Eintracht. Er bekundete vor Zehntausenden von Gläubigen auf dem Petersplatz in Rom seine "väterliche Nähe" zu den Menschen in dem afrikanischen Land. Entschlossen, hoffnungsvoll und ohne Furcht sollten sie mit der Versöhnung fortfahren, die bereits Früchte getragen habe.