In der von Georgien abtrünnigen Region Abchasien haben Oppositionsanhänger den Präsidentenpalast gestürmt und Präsident Alexander Ankwab zur Flucht gezwungen. Das berichtet die russische Nachrichtenagentur Interfax. Ankwab habe den Angriff als "bewaffneten Umsturzversuch" bezeichnet.

Einer der Anführer der Opposition, Raul Chadjimba, kündigte an, ein Koordinierungsrat habe "die Führung der Republik übernommen". Das Parlament in der Hauptstadt Suchumi am Schwarzen Meer will im Laufe des Tages in einer Sondersitzung über die Lage beraten.

Der Erstürmung in der Nacht zum Mittwoch war eine Demonstration von rund tausend Oppositionsanhängern vorausgegangen. Unter Berufung auf nicht genannte Quellen berichtete die Agentur Interfax, der Präsident habe sich vermutlich in seine Heimatregion im Nordwesten Abchasiens begeben.

In einer gemeinsamen Erklärung warnte der Chef der abchasischen Sicherheitskräfte sowie das Verteidigungs- und Innenministerium vor den "katastrophalen Folgen" einer Eskalation. Sie verurteilten die "verfassungswidrigen Methoden, die zu einer Destabilisierung der Lage im Land führen".

"Die Sicherheitskräfte loyal zum Staat"

In einer Fernsehansprache sagte Ankwab, er habe das Land nicht verlassen, sondern halte sich weiter in Abchasien auf. "Die Sicherheitskräfte stehen loyal zum Staat und treffen Maßnahmen, um die Lage zu stabilisieren", sagte Ankwab. Ankwab war im August 2011 zum Präsidenten gewählt worden.

Russland und Georgien hatten im August 2008 einen fünf Tage langen Krieg um Abchasien und die ebenfalls abtrünnige Provinz Südossetien geführt. Russland erkannte die beiden Kaukasusprovinzen anschließend als unabhängig an, dem Schritt folgten bislang nur wenige weitere Staaten. Tausende russische Soldaten sind in der Region stationiert, Georgien wertet dies als Besetzung.

Der abchasische Präsident Alexander Ankwab ist für eine Russland-freundliche Politik bekannt. Die Proteste Europa-freundlicher Demonstranten in der Ukraine hatte er im Februar als "widerlich" kritisiert.