Chinas Zensurbehörden gehen verstärkt gegen Smartphone-Apps vor, mit denen sich Textnachrichten verschicken lassen. Im Fokus steht die in China extrem populäre Anwendung WeChat, wie die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua am Dienstag berichtete. Das Handyprogramm funktioniert ähnlich wie der internationale Marktführer WhatsApp. Hinter der Messaging-App steht der chinesische Internetkonzern Tencent. Nach Angaben des Unternehmens hat WeChat über 355 Millionen aktive Nutzer. Der Großteil von ihnen lebt in der Volksrepublik, wo Dienste wie Facebook und Twitter gesperrt sind.

Auch traditionelle Medien wie Fernsehen und Zeitungen werden in China zensiert. WeChat hat sich für viele Nutzer daher zur Alternative entwickelt, um möglichst ungefiltert an Informationen zu kommen. Die chinesische Führung stört sich daran: "Einige Menschen verwenden die Plattform, um negative oder illegale Informationen zu verbreiten", sagte einer der Verantwortlichen der neuen Zensuraktion laut der staatlichen Nachrichtenagentur China News Service. Laut Xinhua diene der Schritt zur Bekämpfung "feindlicher Kräfte im In- und Ausland".

Bereits im März schlossen die chinesischen Behörden etliche WeChat-Accounts, über die nicht gebilligte politische Meinungen und Informationen verbreitet wurden. Die aktuelle konzertierte Aktion soll einen Monat lang dauern und vor allem kritische Nutzer treffen, die mit ihren Nachrichten eine hohe Reichweite erzielen. WeChat-Betreiber Tencent kommentierte den Vorstoß der Behörden zunächst nicht. 

Erst im Februar hatte die Führung in Peking die Schaffung einer neuen Behörde für Internetsicherheit bekannt gegeben, an deren Spitze sich Präsident Xi Jinping setzte. Beobachter werteten den Schritt als Ausdruck der Angst, dass Millionen von Chinesen im Netz mit Ideen in Berührung kommen würden, die das kommunistische System bedrohen könnten.