Für die Loslösung der selbst ernannten "Volksrepublik Donezk" von der Ukraine haben sich bei dem umstrittenen Referendum am Sonntag nach Angaben der Separatisten 89,7 Prozent der Teilnehmer ausgesprochen. In der Region Luhansk hätten sich nur fünf Prozent gegen die Autonomie ausgesprochen. Ein führender Separatist erklärte, angesichts des Votums werde sich die Region nicht an der für den 25. Mai angesetzten Präsidentenwahl beteiligen.

Die EU-Außenminister beraten am Vormittag über eine Verschärfung der Sanktionen gegen Russland. Die EU-Minister entschieden über zusätzliche Einreiseverbote und Kontosperrungen, sagten Diplomaten. Bisher gelten solche Maßnahmen gegen 48 Personen. Die Minister wollen auch beschließen, dass künftig nicht nur Personen, sondern auch Organisationen und Unternehmen von Sanktionen getroffen werden können.

Kremlchef Wladimir Putin will sich einem Bericht der Moskauer Zeitung Kommersant zufolge erst nach einer Analyse des Ergebnisses zu dem Referendum äußern. Er nahm die prorussischen Separatisten in Schutz, die trotz einer Aufforderung Putins an der Befragung festgehalten hatten. Das militärische Vorgehen der Regierung in Kiew habe ihnen keine andere Wahl gelassen.    

Der selbst ernannte Volksgouverneur von Donezk, Pawel Gubarew, sagte dem russischen Staatsfernsehen: "Das Referendum bedeutet uns alles." Einen neuen Staat zu schaffen sei aber nur der erste Schritt auf dem Weg zur Bildung eines Landes "Neurussland" auf dem Gebiet der Südostukraine, betonte Gubarew.

Keine Wahlbeobachter vor Ort

Die prowestliche Regierung in Kiew erkennt die Befragung wie die EU und die USA nicht an. "Das ist nichts anderes als eine Informationskampagne, um Verbrechen zu vertuschen", sagte Präsidialamtschef Sergej Paschinski. Das Außenministerium warf Russland vor, die Abstimmung "inspiriert, organisiert und finanziert" zu haben. In weiten Teilen der russisch geprägten Regionen mit mehr als 6,5 Millionen Menschen habe gar keine echte Abstimmung stattgefunden. Proukrainische Medien berichteten von massiven Fälschungen. Internationale Beobachter waren zu der Abstimmung nicht angereist. 

Nato-Oberbefehlshaber Philip Breedlove forderte Putin zum Abzug seiner Truppen aus dem Grenzgebiet zur Ukraine auf und stellte der Ukraine unter Umständen einen Nato-Beitritt in Aussicht. "Natürlich ist es an der Ukraine zu entscheiden, ob sie sich der Nato anschließen möchte", sagte der US-General gegenüber der Bild-Zeitung. "Wir zwingen niemanden beizutreten."

Der Europa-Staatsminister im Auswärtigen Amt, Michael Roth (SPD), äußerte sich skeptisch über eine Verschärfung von Sanktionen gegen Russland. "Wirtschaftssanktionen alleine, und seien sie noch so hart, führen nicht unbedingt zu dem von uns erwünschten Ergebnis", sagte Roth dem Handelsblatt. Auch EU-Staaten könnten von den Strafmaßnahmen hart getroffen werden: Pro Jahr besuchten mehr als eine Million russische Touristen Griechenland. Sollten diese ausbleiben, dürfe man sich nicht wundern, "wenn griechische Politiker auf die EU zukommen mit der Bitte, ihrem Land finanziell stärker unter die Arme zu greifen".