Bewaffnete Einheiten haben das libysche Parlament in Tripolis angegriffen und 20 Geiseln genommen. Die Truppen unter dem Kommando des abtrünnigen Generals Chalifa Haftar lieferten sich Gefechte mit islamistischen Milizen. Am Abend erklärte ein Sprecher Haftars im Fernsehen, das Parlament solle aufgelöst und durch eine 60-köpfige Versammlung ersetzt werden, die man bereits benannt habe. Die derzeitige Regierung handele auf der Basis eines Notstands.

Was dies genau bedeutet, blieb offen. Der Sprecher, der in einer Militäruniform auftrat, wies Vorwürfe der Regierung zurück, es handele sich um einen Putsch. Vielmehr kämpfe man im Auftrag des Volkes. Der Angriff in Tripolis solle dazu dienen, Islamisten festzunehmen.


Die libysche Übergangsregierung verurteilte am frühen Montagmorgen den Angriff und erklärte, man werde die Ankündigungen der Gruppe nicht respektieren. Bei dem Angriff am Sonntag wurden nach Angaben des Justizministeriums zwei Menschen getötet und 50 verletzt.

Haftar hatte zuvor bereits in der Hafenstadt Bengasi auf eigene Faust eine Offensive gegen islamistische Milizen gestartet. Dort waren nach Angaben des Gesundheitsministeriums mindestens 70 Menschen getötet worden.

Der Abgeordnete Chaled al-Maschri sagte dem Sender Al-Ahrar, Bewaffnete seien ins Parlament eingedrungen, hätten das Gebäude beschädigt und versucht, Mitarbeiter und Wachen festzunehmen. Dem Abgeordneten Omar Buscha zufolge wurde das Gebäude in Brand gesetzt. Über dem Gelände war starker Rauch zu sehen. Die staatliche Nachrichtenagentur meldete, die Straßen um das Parlament seien von bewaffneten Kämpfern abgeriegelt worden. In mehreren Teilen der Hauptstadt war Gewehrfeuer zu hören.

Medien berichteten, Abgeordnete hätten eine Warnung vor einem Angriff auf das Parlament erhalten. Die Sitzung sei unterbrochen und Abgeordnete seien aus Furcht vor einer Erstürmung aus dem Gebäude gebracht worden. Nach Angaben aus Sicherheitskreisen beschossen die Angreifer auch eine nahe Militärbasis, die unter Kontrolle einer islamistischen Miliz steht.

Haftar führt offenbar Kampf gegen islamistischen Terrorismus

Haftar war einst Heereschef unter Staatschef Muammar al-Gaddafi, hatte sich aber bereits in den achtziger Jahren von ihm losgesagt. Nach Gaddafis Sturz 2011 sollte der Offizier helfen, neue libysche Streitkräfte aufzubauen, wurde aber wenig später von dem Auftrag entbunden. Nach den Gefechten mit 70 Toten in Bengasi hatte er weitere Militäraktionen angekündigt und von einem nationalen Kampf gesprochen.

Die libysche Regierung hatte Haftar am Samstag davor gewarnt, seine Militäraktion weiterzutreiben. Die Bewohner von Bengasi sollten jene vertreiben, "die den Putsch anführen, und die Stadt schützen", hieß es in einer Erklärung.

Das libysche Gesundheitsministerium registrierte in der ostlibyschen Hafenstadt mindestens 70 Tote und 141 Verletzte. Haftar hatte mit ihm treu ergebenen Soldaten die Stützpunkte zweier Milizen namens Rafallah al-Sahati und 17. Februar belagert.