Die Alternative für Deutschland steht vor dem Einzug ins Europaparlament, und auch in vielen anderen Staaten werden die Euro-Gegner wohl Stimmenzuwächse haben. Doch gibt es außer der Gegnerschaft gegen die europäische Währung kaum Gemeinsamkeiten der verschiedenen Parteien.

Die derzeitige AfD-Parteielite etwa hat bereits deutlich gemacht, dass sie nichts mit Parteien wie dem französischen Front National und der niederländischen Partij Voor de Vrijheid zu tun haben will.

"Mit Leuten wie Le Pen kann ich nicht zusammenarbeiten" sagte Bernd Lucke in einem Interview mit der Wirtschaftswoche über die Anführerin des Front National, Marine Le Pen. Die französische Partei wolle aus der Nato austreten und wieder Zollschranken errichten, käme daher nicht als Partner infrage. Doch eine Zusammenarbeit könnte auch aus anderen Gründen nicht funktionieren. Europas Rechtspopulisten mögen sich in ihrer Abneigung gegen den Euro einig sein, doch ihre Beweggründe sind teilweise sehr verschieden.

Die hiesigen Euro-Gegner sehen in Deutschland vor allem den "Zahlmeister Europas". Die französischen Rechten wollen zwar auch raus aus dem Euro, allerdings aus einem anderen Grund: Sie glauben, Deutschland profitiere ungebührlich von der Gemeinschaftswährung, und das auf Kosten Frankreichs.

"Seit der Einführung des Euro ist Deutschland das einzige Land in der Euro-Zone, das seine Handelsbilanz verbessern konnte" heißt es im Wahlprogramm der Front National. Und: Frankreich und Italien hätten vor der Euro-Einführung Handelsüberschüsse gehabt, also mehr exportiert als importiert. Nun hingegen würden sie Handelsdefizite aufweisen. Stimmt das?

Seit der Euro als offizielle Währung eingeführt wurde, hat Deutschland seine Handelsbilanz in der Tat stark verbessern können. Im Jahr 2013 erreichte der Überschuss einen Rekordwert von rund 198,6 Milliarden Euro. Frankreich hatte hingegen tatsächlich vor der Euro-Einführung eine positive Handelsbilanz und seitdem mit rund 76,3 Milliarden Euro das höchste Handelsdefizit innerhalb der Euro-Zone angehäuft. 

Nur Frankreichs Bilanz verschlechterte sich

Bezogen auf Frankreich hat der Front National also recht. Dennoch ist Deutschland nicht das einzige Land, das profitierte vom Euro, wie von der Le-Pen-Partei behauptet: Viele andere Staaten konnten ihre Handelsbilanz verbessern, also entweder ihren Überschuss ausbauen oder ihr Defizit reduzieren.

In einer Analyse des Außenhandels von sieben Euro-Ländern stellte der Brüsseler Thinktank Bruegel fest, dass mit Ausnahme Frankreichs alle untersuchten Länder ihre Handelsbilanzen seit der Euro-Einführung verbessern konnten. Unter den untersuchten Ländern war auch Italien, das entgegen der Behauptungen der Front National in den letzten zwei Jahren überdies einen Handelsüberschuss vorweisen konnte.

Wilders beansprucht den "Zahlmeister"-Titel

Besonders stark stieg der Handelsüberschuss in den Niederlanden, wo er zuletzt einen Rekordwert von 61,7 Milliarden Euro erreichte. Dennoch galten die Euro-Gegner um den Rechtspopulisten Geert Wilders zuletzt als Favoriten für die Europawahlen, auch wenn sie nun unerwartet schlecht abschnitten.

Übrigens beansprucht auch Geert Wilders den Titel "Zahlmeister Europas". Pro Person leisteten seine Landsleute den größten finanziellen Beitrag zur Europäischen Union, behauptet der Anführer der Partij Voor de Vrijheid. Doch auch er liegt falsch – pro Person zahlen die Niederländer weniger als Schweden, Dänen, Luxemburger und weniger als die viertplatzierten Deutschen, die dementsprechend auch nicht unbedingt als Zahlmeister Europas gelten können.

Kaum Zusammenarbeit im Europaparlament

Trotz Wilders Niederlage werden rechtspopulistische und Euro-skeptische Parteien wohl nach der Wahl deutlich stärker im Europaparlament vertreten sein. Inwieweit sie dort an einem Strang ziehen werden, ist aber nach wie vor unklar. Die Alternative für Deutschland strebt derzeit eher eine Fraktion mit den britischen Konservativen an. 

Wilders und Le Pen wollen zwar gemeinsam eine Fraktion bilden, haben aber einer Studie der Londoner NGO VoteWatch.eu zufolge in der vergangenen Legislaturperiode in 49 Prozent aller aufgezeichneten Abstimmungen gegeneinander gestimmt. Die britische UK Independence Party stimmt zwar deutlich öfter gemeinsam mit Wilders' Partij Voor de Vrijheid, schließt den Beitritt zu einer Fraktion, zu der auch der Front National gehört, aus.

Dennoch: Eine Herausforderung für die etablierten Parteien werden die erstarkten Euro-Gegner in jedem Fall darstellen.

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