In der libyschen Hauptstadt Tripolis ist es laut Augenzeugen in der Nähe zweier Militärstützpunkte abermals zu Kämpfen gekommen. Mehrere laute Explosionen seien am frühem Morgen nahe der Al-Jarmuk-Kaserne im Stadtteil Salaheddin zu hören gewesen, berichteten Anwohner. Auch aus dem Vorort Tadschura im Osten wurden Schüsse und Explosionen gemeldet. Über mögliche Opfer der Kämpfe ist noch nichts bekannt.

Um die Spannungen zu mildern, soll auf Vorschlag der Wahlkommission vermutlich am 25. Juni ein neues Parlament gewählt werden. Der Termin sei aber noch nicht offiziell verkündet worden, sagte ein Mitglied der Kommission der Nachrichtenagentur Reuters. Die Libyer hätten bereits im vergangenen Winter ein neues Parlament wählen sollen. Die Abgeordneten beschlossen jedoch eigenmächtig eine Verlängerung der Legislaturperiode.

Der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) äußerte sich über die Situation in Libyen besorgt. Ein Abdriften in noch mehr Gewalt und Chaos könne nur durch einen Dialog über die Zukunft des Landes gelingen, sagte Steinmeier der Neuen Osnabrücker Zeitung. Die Gewalt müsse deshalb aufhören. "Dazu gehört auch Respekt vor den noch immer schwachen demokratischen Institutionen des Landes", sagte Steinmeier.

In Libyen gibt es seit Monaten einen Machtkampf rivalisierender Milizen, der sich in den vergangenen Tagen noch verschärft hat. Bewaffnete Anhänger des abtrünnigen Ex-Generals Chalifa Kassim Haftar hatten am Sonntag das Parlament angegriffen. Zuvor hatten sie sich in Bengasi Kämpfe mit Islamisten geliefert. Dabei wurden mehr als 70 Menschen getötet.

Mittlerweile haben mehrere Botschaften aufgrund der Kämpfe geschlossen. Auch die USA bereiten sich auf eine mögliche Evakuierung ihrer Vertretung vor. Seit dem Bürgerkrieg 2011 und dem Sturz des Machthabers Muammar al-Gaddafi ist es der Regierung nicht gelungen, sich im gesamten Land Autorität zu verschaffen. Viele ehemalige Rebellengruppen verweigern ihre Entwaffnung.