Wegen der anhaltenden Gewalt in Libyen erwägen die USA, ihre Botschaft zu räumen. Der TV-Sender CNN berichtete unter Berufung auf namentlich nicht genannte Quellen im Verteidigungsministerium, 200 Marines stünden mit mehreren Flugzeugen in Italien bereit, um jederzeit einzugreifen. In Washington wachse die Sorge vor einem Bürgerkrieg in dem nordafrikanischen Land. In der Botschaft befinden sich dem Bericht nach etwa 200 Amerikaner.

Die Furcht der US-Regierung resultiert auch aus einem Vorfall vom September 2012: Bei einem Angriff auf ihr Konsulat im libyschen Bengasi waren der damalige US-Botschafter Chris Stevens und drei weitere Amerikaner getötet worden.

Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate hatten am Montag ihre diplomatischen Vertretungen in Tripolis geschlossen. Die Diplomaten seien vorsorglich abgezogen worden, bis sich die Sicherheitslage wieder verbessere, meldete die libysche Nachrichtenagentur Lana.  

In Libyen bekämpfen sich rivalisierende Milizen, mindestens 77 Menschen starben in den vergangenen Tagen. Die Übergangsregierung ringt um ihre Macht und forderte die Milizen auf, Meinungsverschiedenheiten nicht mit Waffen auszutragen.

Weitere Soldaten schließen sich Umsturz-General an

Auch die Militärpolizei ist an den Unruhen beteiligt. Ihr Chef Mochtar Fernana hatte zuvor die Auflösung von Regierung und Parlament angekündigt. Eine neu gewählte Kommission werde eine Verfassung schreiben und vorübergehend die Aufgaben der Legislative übernehmen, sagte er. "Das libysche Volk wird es nicht zulassen, dass sein Land zum Tummelplatz für Terroristen und Extremisten wird."

Vier Tage nach Beginn der Kämpfe erhalten die abtrünnigen Truppen weitere Unterstützung. Das Nachrichtenportal Al-Wasat meldete in der Nacht, die Grenztruppen in der östlichen Stadt Tobruk und das 2. Bataillon im Süden wollten sich den Truppen von Ex-General Chalifa Haftar anschließen.  

Die Unruhen hatten am Freitag in Bengasi begonnen und am Sonntag auch Libyens Hauptstadt Tripolis erfasst. Dort stürmten Bewaffnete unter Führung des abtrünningen Generals Haftar das Parlament. In Bengasi attackierten seine Anhänger Stützpunkte islamistischer Milizen.

Ihr Ziel ist die Vertreibung der islamistischen Milizen aus dem Land, die sich seit dem Sturz des Langzeitpräsidenten Muammar al-Gaddafi 2011 dort ausgebreitet haben.

Haftar war einst General unter Muammar al-Gaddafi, hatte sich aber bereits in den 1980er Jahren von ihm losgesagt und lebte jahrelang in den USA. Dann schloss er sich aber der Revolution gegen Gaddafi an und sollte nach dessen Tod 2011 helfen, neue libysche Streitkräfte aufzubauen, wurde aber wenig später von dem Auftrag entbunden.