Finger weg von den USA!

Diesen Monat hat die Sunlight Foundation eine Liste der Länder veröffentlicht, die hinter verschlossenen Türen mithilfe professioneller Lobbyisten und Haufenweise Dollarscheinen die amerikanische Politik und Medien zu ihren Interessen  hin verbiegen.

Ganz oben auf der Liste stand wie erwartet ein arabisches Öl-Land: die Vereinigten Arabischen Emirate haben 2013 über Lobbyfirmen 14 Millionen Dollar in Kongressabgeordnete und Journalisten investiert. Das ist auch verständlich: Als undemokratisches Regime muss man schon was bieten, um die Skrupel seiner Geschäftspartner zu zerstreuen, wer mag es einem verdenken? Die Emirate sind da nicht allein: Alle Staaten auf der Liste verfolgen für mein Gefühl eher zwielichtige Ziele, von Saudi Arabien über Aserbaidschan bis hin zu … hoppla, Deutschland, das mit 12 Millionen Dollar gleich auf Platz zwei kommt.

Nur, damit es klar ist, in welcher Gesellschaft Deutschland sich auf dieser Liste befindet: In den Top Ten stehen weder Russland noch China, auch Israel nicht, oder sonst irgendein westeuropäisches Land – außer Deutschland.

Zu welchem konkreten Zweck das Geld investiert wird, ist nicht öffentlich bekannt: in das halbherzige No-Spy-Abkommen jedenfalls nicht, denn das wurde über offizielle diplomatische Kanäle abgewickelt. Profi-Lobbyisten sind für besondere Fälle zuständig.

Und so funktioniert es: Deutsche Behörden wie das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit oder der Bundesverband der Deutschen Industrie – oder etwa das Land Rheinland-Pfalz – geben einen Batzen Geld an einen Profi-Lobbyisten in der K Street in Washington D.C., der einen Teil davon als Honorar einsteckt und mit dem Rest bei Politikern und Journalisten hausieren geht. In welcher Form das Geld beim endgültigen Adressaten ankommt – als Hochglanzbroschüre zum Beispiel oder als Puffbesuch, vielleicht auch ganz einfach in einem Briefumschlag – bleibt zwischen Geber und Empfänger.  

Nicht nur durch bezahlte Lobbyisten nimmt Deutschland ungebetenen Einfluss auf mein Land: Laut dem Intelligence Threat Handbook der Sicherheitsbehörden überwacht Deutschland die elektronische Kommunikation amerikanischer Firmen und gibt die gewonnenen Geheimnisse an deutsche Unternehmen weiter. Eigens dafür betreibt der BND eine Spionage-Einrichtung namens Rahab unweit der internationalen Bankenstadt Frankfurt am Main. Und ich dachte immer, Deutschland würde keine Freunde ausspionieren. 

Auch unsere Kultur haben die Deutschen mittlerweile fest im Griff. Von den sogenannten Big Six der amerikanischen Verlagshäuser liegen drei in deutscher Hand: Random House und die Hälfte von Penguin gehören zu Bertelsmann, und Holtzbrinck besitzt die MacMillian Group. Und wenn Sie glauben, die deutschen Eigentümer unserer Kulturhäuser würden in den Redaktionsalltag nicht eingreifen, fragen Sie einen belesenen Amerikaner, wann er das letzte Mal ein deutschlandkritisches Buch zu Gesicht bekommen hat. 

Was ist an Amerika noch amerikanisch?

Der Griff nach Amerika beschränkt sich nicht auf intellektuelle Eierköpfe. Letztens stand ich in einem New Yorker Supermarkt und wusste vorübergehend nicht mehr, wo ich war. Denn das Süßigkeiten-Regal vor der Kasse war zur Hälfte gefüllt mit deutschen und Schweizer Marken, von Haribo über Werthers Echte bis hin zu Toffifee. Die Belgier, die Japaner, die Araber produzieren auch gute Süßigkeiten – die sind aber in Amerika kaum vertreten. Die deutschen umso mehr

Amerika ist regelrecht von Deutschland besetzt und wird systematisch ausgeweidet. Es haben sich dreimal so viele deutsche Firmen in Amerika niedergelassen wie amerikanische in Deutschland, und doppelt so viele Dollars fließen von den USA nach Deutschland wie umgekehrt.

Wer in Amerika angeben will (und wir Amis geben gern an) fährt einen BMW – wieso denn? Wir haben auch schöne Autos! Warum sollen wir unser Geld den großen deutschen Versicherern und Chemiefirmen geben, warum werden uns am laufendem Band die Produkte von Bosch und ThyssenKrupp, Knorr-Bremse, Aldi, Telekom, E.on und vielen, vielen mehr aufgezwungen, wenn wir doch unsere eigenen Produkte herstellen? Es war mir mal ein Trost, dass unsere Kinder sich immerhin mit Dial, der amerikanischen Traditionsseife, waschen – bis Henkel die Firma kaufte.

Autobahn, Gebrüder Grimm … und Hamburger

Gibt es eigentlich irgendwas an Amerika, das noch amerikanisch ist? Unser Highway-Netz, das das gesamte Land durchzieht? Inspiriert von der deutschen Autobahn. Der maßlose Kitsch von Walt Disney? Ohne die Märchen der Gebrüder Grimm hätte er sein Imperium nie aufbauen können. Fastfood, das unsere Jugend zur Fettleibigkeit verführt? Es waren deutsche Einwanderer, die den Hamburger erfanden.

Wann lassen diese Typen uns in Ruhe? Reicht es nicht, dass wir mit unserem riesigen Markt für den deutschen Wohlstand sorgen? Die USA sind längst kein souveränes Land mehr, sondern ein Vasall des unaufhaltsamen deutschen kapitalistischen Imperialismus und Handlanger deutscher Großkonzerne und Lobbyisten. 

Ich sage: Es reicht! Finger weg von meinem Amerika – Deutschis Go Home!