Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich kritisch über die Rolle des russischen Präsidenten im Ukraine-Konflikt geäußert: Wladimir Putin könnte und müsste mehr tun, um den Konflikt lösen zu helfen, sagte sie. Putin "tut derzeit (...) zu wenig, um zur tatsächlichen Entspannung der gefährlichen Situation beizutragen", sagte Merkel Rheinischen Post. Zuvor hatten prorussische Separatisten in der Ostukraine den Appell Putins zurückgewiesen, die für Sonntag geplanten Referenden über eine Abspaltung zu verschieben.

Merkel sagte, es sei wichtig, "zum Gespräch bereit und fähig zu bleiben, auch in politisch schwierigen Situationen". Zur Politik Putins sagte sie: "Notfalls sind wir auch zu weiteren Sanktionen bereit, auch wenn wir sie uns wahrlich nicht wünschen." Das Ziel seien diplomatische Fortschritte für eine Stabilisierung der Ukraine. Dabei spielten die Wahlen am 25. Mai eine wichtige Rolle. "Tatsächliche diplomatische Fortschritte können weitere Sanktionen vermeiden." Die Ukraine-Krise wird auch beim Treffen Merkels mit Frankreichs Staatschef François Hollande am Freitag und Samstag an der Ostsee ein Thema sein.

Am Donnerstag hatten die prorussischen Separatisten den Aufruf Putins abgelehnt, die Abstimmung über den Status mehrerer Regionen in der Ostukraine zu verschieben. "Das Referendum wird am 11. Mai stattfinden", sagte Denis Puschilin, der Rebellen-Anführer in Donezk.

Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton verurteilte die Entscheidung der Separatisten. "Solche unautorisierten örtlichen Referenden haben keine demokratische Legitimität und können nur zu weiterer Eskalation führen", sagte Ashtons Sprecherin.

Die ukrainische Regierung hat indessen vorgeschlagen, es müsse zur Beilegung der Krise einen nationalen Dialog geben, an dessen Ende ein Konsens über Schlüsselfragen der ukrainischen Gesellschaft stehen solle. Dazu zählten eine Dezentralisierung der Macht, eine Reform des Sicherheits- und Justizapparates sowie der Schutz der Minderheiten. Überwachen solle den Prozess die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE), hieß es in einer Erklärung der Regierung.