Polens früherer kommunistischer Machthaber Wojciech Jaruzelski ist tot. Der schwer kranke Ex-Partei- und Staatschef starb am Sonntag im Alter von 90 Jahren im Militärkrankenhaus von Warschau, wie ein Kliniksprecher bestätigte. Jaruzelski lenkte von 1981 bis 1989 im Namen der kommunistischen Arbeiterpartei die Geschicke Polens, 1981 verhängte er im Kampf gegen die antikommunistische Solidarność-Bewegung das Kriegsrecht.

"Ich bestätige, dass der General tot ist. Er hat seine letzten Tage auf der Intensivstation verbracht", sagte Kliniksprecher Grzegorz Kade. Demnach starb Jaruzelski am Nachmittag und war bereits seit mehreren Monaten im Krankenhaus behandelt worden. Im Juli 2011 hatte der General bekannt gegeben, dass er an Lymphdrüsenkrebs leidet.

Der 1923 im ostpolnischen Kurow geborene General mit der großen dunklen Brille ging in die Geschichte als der Mann ein, der 1981 das Kriegsrecht in Polen verhängte. In der Folge wurden bei der brutalen Niederschlagung der oppositionellen Solidarność-Proteste Mitte Dezember fast hundert Menschen getötet oder verschwanden spurlos. Tausende weitere Menschen wurden festgenommen.

Wegen der Verhängung des Kriegsrechts wurde Jaruzelski 2007 angeklagt. In einem anderen Verfahren musste er sich wegen der gewaltsamen Niederschlagung von Arbeiterdemonstrationen 1970 verantworten. Aus gesundheitlichen Gründen blieben beide Verfahren für ihn aber folgenlos.

Jaruzelski öffnete Polen aber auch zur Demokratie. Seine Entscheidung, mit der Gewerkschaft Solidarność zu verhandeln, mündete 1989 in eine halbdemokratische Parlamentswahl und den Sieg der Bewegung des späteren Friedensnobelpreisträgers Lech Wałęsa.

Jaruzelski wurde im selben Jahr für sechs Jahre zum Staatspräsidenten gewählt, trat jedoch wenige Monate später zurück. Sein Nachfolger als Staatschef wurde sein langjähriger Widersacher, der Solidarność-Mitbegründer Wałęsa.