Der russische Präsident Wladimir Putin hat zugesagt, den Ausgang der bevorstehenden Präsidentenwahl in der Ukraine zu respektieren und mit der neuen Führung zusammenzuarbeiten. Das sagte Putin auf einer internationalen Wirtschaftskonferenz in St. Petersburg.

Auf die Frage, ob er die Wahl als legitim anerkennen werde, äußerte sich Putin jedoch ausweichend. Er sprach nicht von einer Anerkennung, sondern verwies darauf, dass der im Februar gestürzte Präsident Viktor Janukowitsch nach geltender ukrainischer Verfassung der rechtmäßige Staatschef sei.

Putin äußerte die Hoffnung, dass der neue Präsident die Militäraktion in der Ostukraine stoppen werde. Die Zustände in dem Land verglich der russische Präsident mit einem Bürgerkrieg. Seit dem Sturz von Janukowitsch herrsche dort Chaos, sagte Putin. 

Russland hatte die Abstimmung immer wieder als überstürzt kritisiert. Putin sagte, zuerst hätte die Verfassung im Zuge eines Referendums geändert und erst dann ein neuer Präsident gewählt werden müssen. Allerdings sei Russland auch interessiert, dass "Frieden und Ruhe" einkehrten in der Ukraine.

Erneute Drohung an den Westen

Es ist das erste Mal, dass Putin seinen Willen zur Zusammenarbeit signalisiert: Noch vor wenigen Tagen hatte er gesagt, es werde für den Kreml schwierig, mit dem Gewinner der ukrainischen Präsidentenwahl zusammenzuarbeiten, da die Armee ihre Offensive gegen die Separatisten in der Ostukraine fortsetze.  

Vor den zahlreichen Wirtschaftsmanagern in St. Petersburg schickte Putin erneut eine indirekte Drohung an den Westen: Sanktionen gegen Russland würden einen Bumerang-Effekt haben, das Streben der USA nach einer unipolaren Weltordnung sei gescheitert.

Zugleich forderte er die EU zum Dialog über ein neues Partnerschaftsabkommen mit Russland auf. Die Verhandlungen würden seit Jahren unter immer neuen Vorwänden aufgeschoben, kritisierte Putin. 

Putin kritisiert "merkwürdige Logik" der EU

Der Europäischen Union warf er außerdem vor, Gespräche über eine von Russland vorangetriebene Zollunion mit früheren Sowjetrepubliken zu boykottieren. Es sei eine "merkwürdige Logik", dass die EU zwar mit einzelnen Mitgliedstaaten der Zollunion zusammenarbeite, aber nicht mit der Vereinigung selbst. 

Russland will in der kommenden Woche in der kasachischen Hauptstadt Astana auch die Gründung einer Eurasischen Union vertraglich besiegeln. Darin arbeiten zunächst die Ex-Sowjetrepubliken Russland, Kasachstan und Weißrussland zusammen, während die Zollunion breiter angelegt ist.

Der Präsident lobt in St. Petersburg hingegen die Vertreter europäischer Firmen für ihren "pragmatischeren" Umgang mit Russland. Europäische Unternehmen sind auf dem russischen Markt deutlich stärker vertreten als ihre US-Konkurrenten. Daher haben zahlreiche europäische Unternehmenschefs und Wirtschaftsverbände vor Sanktionen gegen Russland gewarnt. Zudem ist Europa zu rund einem Drittel abhängig von russischem Gas und Öl.