Der Waffenstillstand im Südsudan hat nicht lange gehalten. Drei Tage nach Unterzeichnung eines entsprechenden Abkommens haben sich Rebellen und Regierungstruppen neue Gefechte geliefert. Verteidigungsminister Kuol Manyang sagte, die Armee sei in dem Bundesstaat Upper Nile von einer Rebellenmiliz angegriffen worden. Die Soldaten hätten den Befehl, "nicht anzugreifen, sondern sich nur selbst zu verteidigen". Nach Angaben des Ministers besteht die Rebellentruppe – auch als Weiße Armee bekannt – aus bewaffneten Zivilisten. Sie wüssten nichts von dem Friedensabkommen, sagte er.

Nach zähen Verhandlungen hatten Präsident Salva Kiir und sein Widersacher Riek Machar erst in der Nacht zum Samstag ein Friedensabkommen unterzeichnet. Damit sollten die Kämpfe beendet und eine Übergangsregierung bis zu den Wahlen eingerichtet werden. Kiir und Machar hatten sich in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba erstmals seit dem Beginn des Konflikts persönlich getroffen. Sie hatten der Begegnung vor allem auf Druck der Vereinten Nationen und der USA zugestimmt.

Das Abkommen verpflichtet beide Seiten zu einer politischen Lösung und nationaler Aussöhnung. Eine sofortige Waffenruhe soll den Zugang zu humanitärer Hilfe ermöglichen.  

Schon am Sonntag hatten sich beide Seiten gegenseitig beschuldigt, die vereinbarte Waffenruhe bereits wenige Stunden nach ihrem Inkrafttreten gebrochen zu haben. Beobachter glauben, dass es schwierig sein wird, die Gewalt zu beenden. Bereits im Januar hatten die Konfliktparteien eine Waffenruhe ausgehandelt – aber die Gefechte gingen weiter. 

Beobachter werden in die Krisenregion entsandt

Armeesprecher Philip Aguer sagte nach der nun gebrochenen Waffenruhe, Beobachter des ostafrikanischen Staatenblocks IGAD seien nach Bentiu entsandt worden. Rund um die Hauptstadt des ölreichen Bundesstaates Unity war es nach Angaben der Rebellen am Wochenende zu Kämpfen gekommen.

Der Machtkampf zwischen Kiir und seinem früheren Stellvertreter Machar war Mitte Dezember eskaliert. Die Kämpfe, bei denen auch Tausende Zivilisten starben, sind vor allem ethnisch motiviert: Die Rivalen gehören unterschiedlichen Volksgruppen an. Amnesty International hatte zuletzt von Gräueltaten auch an Kindern, schwangeren Frauen und alten Menschen berichtet.

Der Südsudan hatte erst Mitte 2011 nach einem jahrzehntelangen blutigen Bürgerkrieg seine Unabhängigkeit vom Sudan erlangt. Seit Beginn der Kämpfe wurden Tausende Menschen getötet. Mehr als 1,2 Millionen Zivilisten befinden sich auf der Flucht.